45 Grad, sonnig

Hallo ihr Lieben,

viele Gruesse aus dem heissen und trockenen Norden (45 Grad und mehr sind locker drin). Ich melde mich gerade aus einem Internetcafe, denn man ahnt es vielleicht schon – ich bin wieder unterwegs. Diesmal ging es schon nach Varanasi, der ultraheiligen Stadt am Ganges, nach Delhi und nun fahre ich ueber die trockenen Nordstaaten nach Mumbai und dann…? Bisher noch keine Ahnung, ich hoffe es wird sich einfach ergeben! Aber ich greife vor. Ersteinmal moechte ich ein wenig von den letzten Wochen (und Monaten) erzaehlen.
Zum Beispiel von Holi.

Holi ist ein wichtiges und das am Besten außerhalb Indiens bekannte Festival, das hauptsächlich im Norden gefeiert wird.

Was genau der Anlass ist, weiß ich nicht, es heißt, dass durch die Farbe alle gleich wuerden und der Unterschied zwischen Hautfarben und Kaste verschwindet. So. Oder so ähnlich. Praktisch gesehen heißt es für viele Millionen Menschen einfach riesig viel Spaß. War Durga Pudja prächtig, Kali Pudja grausam und Diwali laut, so ist Holi einfach echt spaßig! Meiner Meinung nach, weil hier die Menschen und nicht irgendwelche Gottheiten und Swamis im Vordergrund stehen. Und wie bei jedem großen Fest gibt es Orte, an denen das Ganze witzig ist und welche, an denen es extrem witzig wird – oft wenn viele Leute da sind. Bei uns hieß das einen Familienausflug mit der Familie des Chefs nach Shantinetekan. Dort gibt es einen großen Universitätscampus, DER Ort in West Bengalen um richtig Holi zu feiern!

Inzwischen habe ich über Facebook von Holi-Festivals in Deutschland mitbekommen, hab aber keine Ahnung wie die laufen, also erstmal ein kurzer Überblick wies geht: Man versammelt sich morgens, schon ab 5 Uhr auf dem Campus, dort gibt es richtig Programm, Musik aus plärrenden Verstärkertürmen, Tanzprogramme auf den Bühnen und die ersten Farbpäckchenverkäufer. Getragen werden weiße Langhemden und Hosen für die Männer und Orange-Rote Kleidung für die Frauen.

Ich hab dann ganz schnell rausgefunden, wie es läuft. Man rennt durch die Gegend, schmiert jedem Fremden liebevoll etwas Farbpulver ins Gesicht und wünscht sich gegenseitig „Happy Holi“. Tja ich sehe anders aus und war gleich Anziehungspunkt für Fotografen, die sehen wollten, wie die Touristen mit tonnenweise Farbe bestrichen werden. Was dann auch ganz schnell passierte.

Das Ganze geht dank indischer Sommertemperaturen nur bis Mittags, denn dann wird es schnell viel zu heiß (und zu gefährlich) in der prallen Sonne.

 

Meine Reise

Indien bereisen. Das ist ein großes Wort angesichts der schieren Größe des Subkontinents. Schon beim Gedanken an eine Planung dafür scheint es surreal. Wo liegt Indien denn jetzt? Hoch oben in Kaschmir und Delhi oder doch eher die paar tausend Kilometer im Süden in Tamil Nadu und Kerala?

Und selbst wenn ein Ort feststeht. Die Bahnhöfe und Innenstädte, in denen man ankommt sehen meist ziemlich gleich aus. Wo also hingehen in Indien. Will man Tempel sehen, große Steinmonumente, wo die Gottesstatuen, Priester und Bettler wohnen und dir gerne ihr Heim zeigen (einen Segnungs-Obulus exklusiv), Zentren der Hindus, der Religion, die auf viele Westler solch eine geheime Faszination ausübt?

Will man Nationalparks sehen? Elefantenreiten in Tourismus-Reservaten? Riverrafting? Alles möglich.

Ich habe mich letztendlich für die Anfangs-Endpunkt-Methode entschieden. Einerseits, weil mich weder Tempel noch Forts so wirklich interessieren und mal schauen wo es mich hinschlägt, vielleicht auch schlicht aus Faulheit: Anfang war Chennai (Madras) im Süden, Endpunkt Calicut auf der anderen Seite in Kerala.

Eigentlich war das alleine geplant, aber zum Glück hatte ich auf dem Seminar Stiefelmesser kennengelernt. Übernachten am Strand mit Pfefferspray in der Hand, die rotzigste Absteige im Dorf suchen, aus einem fahrenden Zug springen, das 3-Uhr-Bier in einer Spelunke in Alleppey, Pennen in der Gepäckablage und der Sprung in den Gebirgsbach im Himalaya – Riesenreisespaß mit ihr!

Los gings mit einer 28-Stunden Zugfahrt im Schlafwagen nach Chennai (umgerechnet 7€. Ich werde aus Prinzip in Deutschland nicht mehr Bahnfahren können) und einem Besuch bei Mitfreiwilligen in der WG. Nachdem die Stadt nicht wirklich mehr zu bieten hatte als breite Straßen (ja ich komm aus Kolkata, da ist das unnormal), Militär, stinkende Flüsse und einen dreckigen Strand, gings mit dem Bus die Küste runter nach Mamallapuram, ein altes Steinmetzdorf, deren Bewohner schon seit Jahrtausenden Bildnisse in den nahen Steinhügel schlagen, Pudecherry, einer angeblich französisch angehauchten Küstenstadt (außer dem Baguette fand ich nix französisches. Jedenfalls wurde ich in Frankreich nie von 3 Rikschas hintereinander fast umgefahren). Der nächste interessante Stop war Velankanni, ein riesiger katholischer Pilgerort mit z.T. Über 2000 Pilgern am Tag. Ich war ja noch nie in Lourdes aber der indische Weg des Katholizismus ist schon witzig. Sandbahnen, auf denen man auf allen Vieren der Kirche entgegenkriechen kann und Statuen der Kreuzigung, vor denen Gläubige inbrünstig im Chor beten.

Über Madurai fuhren wir dann mit dem Bus nach Kottayam, Kerala.

 

Nun gibt es ja viele Geschichten über Kerala. Der Bundesstaat im Südwesten hat fast 100% Alphabetisierung, eine gute Infrastruktur und wurde vom Tourismusministerium „Gods Own Country“ getauft, vermutlich wegen der Natur. Es gibt Milliarden Kokospalmen überall, schöne Hügel, weiße Strände und die Backwaters, ein System aus wunderschönen Süßwasserseen, die sich im Hinterland von Alleppey gebildet haben.

Stiefelmesser lebt und arbeitet in einem Dorf in der Nähe von Calicut, einer mittelgroßen Stadt und sie weiß noch ganz andere Geschichten über diesen schönen  Bundesstaat zu berichten.

Die Keralesen sind tendenziell eher stark traditionell ausgerichtet was für zwei weibliche Freiwillige sehr schwer werden kann. Fast Jeder glaubt, dass sie entweder von Vater oder Ehemann hergeschickt wurden, es gibt ständig sexuelle Belästigung, etwa im Bus und insgesamt habe auch ich mich in Indien selten so unwillkommen gefühlt wie in Kerala. Es mag nun daran liegen, dass sie in einem bekannten Assidistrikt wohnt aber abgesehen von ein paar (extrem netten und tollen) Menschen war Kerala kein Platz an dem ich mich auf lange Zeit wohl fühlen würde.

Später gings dann noch in die nahe liegenden Berge, die sogenannten blauen Hügel in Tamil Nadu. Eine Freundin von uns arbeitet und lebt dort in einem Nonnenkonvent, der gleichzeitig als Altenheim fungiert, als Freiwillige, wenn auch nicht über VIA. Die Stadt liegt auf über 2000m Höhe und nach der Hitze von Tamil Nadu waren die europäischen Temperaturen ein echter Schock! Überall wird dort Tee angebaut (Wer trinkt das Alles?) und ich konnte meine Liste von getrampten Fahrzeugen um einen Teelaster erweitern (eine Fahrt auf Teesäcken liegend – echt geil!). Da unsere Freundin die Gegend kennt, konnten wir auch Wasserfälle besuchen, die eigentlich nur Einheimische kennen.

Nach Ooty fuhren wir mit dem Bus wieder runter ins schwüle Kerala zu Stiefelmessers Gastfamilie. Die Beiden sind so toll! Sie hatten mich zuvor noch nie gesehen, doch ich fühlte mich in dem traditionell keralesischen Haus bei den Beiden sofort wie in eine richtigen Familie aufgenommen.

Ein echter Vorteil von Reisen in Indien um diese Jahreszeit: Man braucht nur ein Hemd und eine Hose zum wechseln. Es passt alles in einen Tagesrucksack, den man überall hin mitnehmen kann und der niemals zur Last wird. Außerdem sieht man nicht aus wie Reinhold Messner mit dem 70l-Mammut-Trekkingrucksack auf dem Buckel, sondern eher so, als würde man gerade zur Arbeit fahren. Es erspart einem viele „ach schon wieder so einer“-Blicke der indischen Mitfahrer.

Über Umwege ging es dann zurück nach Westbengalen, denn für mich war wieder Arbeiten angesagt. Beziehungsweise dachte ich dass denn kurz darauf stellte sich hier raus, dass die Examen geschrieben werden und kurz nach meiner Ankunft konnten Anna, Stiefelmesser und ich zu einem spontanen Kurztrip nach Darjeeling in den bengalischen Himalaya aufbrechen.

Wie kann man Darjeeling beschreiben… Es ist eine große Stadt irgendwo über 2000m Höhe auf den Hügel gesetzt, besteht zur Hälfte aus Hotels, zur Hälfte aus Restaurants und ist umgeben von gigantischen Teeplantagen (wie schon gefragt: wer trinkt das denn Alles?). Außerdem war es sehr kalt. So kalt, dass ich mich gezwungen sah, Socken in meinen Sandalen anzuziehen und das erste Mal seit dem Winter wollte ich nicht mit dem Wasser aus der Leitung duschen, sondern doch lieber mit dem heißen Wasser, dass man in unserer Lodge  auf Anfrage bekam.

Später ging es noch nach Kalimpong und Gangtok in Sikkim. Es sind Berge, eindeutig. Und doch ganz anders als ich sie von zu Hause kenne. Die Alpen sind nur im Tal bewohnt und wer Einsamkeit sucht, findet sie ab 300m darüber ohne Probleme. Im Himalaya, den wir sahen, gab es trotz großer Höhe keine Felsen – die fangen erst ein paar tausend Meter höher an. Außerdem ist jeder Quadratmeter der Hügel bewohnt und bei Nacht hat  man das Gefühl auf ein Lichtermeer zu blicken wenn man aus dem Fenster schaut. Es ist auf seine eigene Art und Weise schön. Doch nicht, was ich suche wenn ich in die Berge gehe.

Dafür habe ich einfach gemerkt, was ich an Westbengalen habe! Es ist anders als das Indien, das ich sonst sehe und das mag ich. Es ist tendenziell irgendwie mülliger aber sieht auch menschlicher aus. Kennt ihr das das Gefühl, wenn man sich erst zu Hause fühlt wenn eine Wohnung ein bisschen Charakter hat, ein wenig unordentlich und zum Teil auch  komische Bilder an der Wand hängen, die man nicht versteht? Wenn der Bewohner sobald Besuch kommt ein wenig peinlich berührt versucht die Boxershorts in der Kleiderkiste zu verstauen?

So geht es mir, wenn ich nach Daspur-Zuhause zurückkomme und einige Leute wieder anfangen sich darüber zu beschweren, dass es überall so runtergekommen und verdreckt ist. Mir persönlich ist das lieber als zehn glattgeschleckte, unpersönliche Stadthighways.

Das hängt auch mit einem besonderen Teil es Zusammenlebens hier zusammen, den ich an Indien einfach extrem liebe! Es ist die gewisse Ehrlichkeit.

Das war das Wort, das mit anfangs einfiel, inzwischen sehe ich es eher als Selbstverantwortung. Wie ich das meine? Naja… Wenn du auf dem Bus statt innendrin fahren möchtest, wo es eng ist, dann kannst du das tun. Es wird dir niemand verbieten. Aber du musst für dich selbst Verantwortung übernehmen und bedenken, dass die Stromleitungen tief hängen. Oder wenn du Essen vom Straßenstand kaufst. Der hat nicht tausende Zertifikate die dir garantieren, dass alles sauber ist. Aber du kannst genau sehen, dass sich der Verkäufer nicht die Hände wäscht und deshalb ist es deine Verantwortung weiterzugehen und das Essen da zu kaufen, wo es besser aussieht.

In Deutschland wird einem dies Verantwortung oft abgenommen, ich muss niemandem erzählen wie viele Vorschriften es für jeden Teil des Lebens existieren. Du wirst hinter automatischen Türen im Bus eingesperrt, alle Kanten sind abgedeckt und öffentliche Baustellen sind abgesperrt und gesichert. Es ist ein bisschen mehr wie im Kindergarten wenn immer jemand auf dich aufpasst.

Wenn dann aber der Bus mit Höchstgeschwindigkeit über die Straße fliegt, er haarscharf an zwei Fußgängern vorbeifährt, der Nachbrenner seine Flammen in die Nacht röhrt und der Fahrer die Lichthupe quält um den LKW vor uns in dritter Reihe zu überholen. Wenn du mal wieder während eines Nahtoderlebnisses durch den Tunnel dem Licht entgegenfliegst, dann weißt du Straßenregeln wieder zu schätzen. Irgendwo zwischen dem Müllhaufen und der glattgeschleckten Autobahn fühle ich mich wohl.

Apropos wohl fühlen… Wie schon gesagt  fühle ich mich hier richtig heimisch. Während der ganzen Zeit sind so viele Dingen zusammengekommen die das hier zu meinem Zuhause machen. Der Weg ins Dorf, den ich inzwischen auswenig kenne, die Menschen am Weg, mit denen ich jeden Tag ein Lächeln tausche, auch, wenn wir nicht miteinander reden können. Mein Freund vom Hier-Gibts-Alles-Laden, der mir bei allen schrägen Kaufwünschen behilflich ist (Messerschärfer, Kerosinlampe…), und vor Allem aber meine Freunde vom Fußballclub in Daspur, mit denen ich viel Zeit auf dem Platz verbringe, immer eine Stunde vor Sonnenuntergang, weil die Hitze da erträglich wird. Die Temperaturen steigen manchmal auf bis zu 44° aber irgendwie lässt es sich aushalten. Man muss ja nicht mittags Sonnenbaden, sondern bleibt wie die Anderen auch in einem kühlen Raum. Die vereinzelten Sommergewitter im Mai geben mir aber schon einen Vorgeschmack auf die Regenzeit und wie witzig (oder nicht witzig) es wird mit dem Fahrrad durch knietiefe Pfützen zu fahren und beim Fußballspielen einen Schlammschlacht loszutreten.

Auch die Arbeit hat sich eingependelt. War es anfangs gar nichts, dann phasenweise viel zu tun, arbeiten wir jetzt jeden Tag in der Schule und haben im Schnitt 2 Schulstunden plus Vorbereitung für den nächsten Tag. Außerdem helfen wir im Krankenhaus wenn Operationen sind und schnippeln Gemüse für das Mittagessen. Man könnte sagen, dass wir zu wenig tun und wenn ich den Fabian von vor 8 Monaten fragen würde, wäre er wahrscheinlich extrem unzufrieden – er ist ja auch fürs Arbeiten hergekommen.

Aber in gewisser Weise habe ich meine Ansprüche heruntergeschraubt. Es ist eben nicht möglich hier so viel zu arbeiten bzw. wäre es nirgends wirklich gebraucht. Die Schule gibt mir aber echt Motivation. Es ist zwar nicht so viel, aber man lernt über vergleichsweise kleine Dinge zu freuen. Wenn die Kinder, die zuvor quasi kein Englisch sprachen während der Spiele unsere Begriffe verwenden und sich an die Sätze für „aufs Klo gehen“ und „ich bin durstig“ erinnern, dann macht mich das froh! Das Wichtigste ist, dass die Kleinen die Scheu vor dem Sprechen verlieren und die Gelegenheit nutzen können, die ihnen zwei englischsprachige Freiwillige bieten.

Nun wollte ich  das Entschuldigen, dass ich mich so lange nicht memeldet habe vermeiden und doch kann ich es nicht ganz unkommentiert lassen. Immerhin habe ich ja schon eine gewisse Verantwortung diesem Blog gegenüber.

Aber wisst ihr, es wird immer schwieriger für mich aus diesem Freiwilligendienst zu berichten. Warum? Anfangs war ich sozusagen noch Deutscher durch und durch. Meine Erfahrungen waren im Großen und Ganzen deckungsgleich mit denen anderer Deutscher, auch wenn jeder Mensch natürlich verschieden ist. Aber je mehr ich hier erlebe und sehe, desto mehr Dinge geschehen, desto mehr merke ich wie unterschiedlich mein Bild von dem zu Hause ist. Moechte ich beispielsweise in einer Mail oder beim telefonieren eine Geschichte erzaehlen, wird es immer schwieriger, weil zum Verstandnis so viele Infos und Erfahrungen fehlen, dass die Botschaft sehr schnell falsch ankommt.

Allmählich merke ich: Geschichten kann ich erzählen und Fotos kann ich zeigen. Doch die Erfahrung selbst, die kann wenn überhaupt nur jemand nachvollziehen, der ein ähnliches Jahr absolviert hat und selbst dann ist jeder Freiwilligendienst noch unterschiedlich. So bleibt für mich beim Gedanken an die Rückkehr eine gewisse Angst bestehen. Was wenn ich meinen Platz in Deutschland nicht wiederfinde. Was, wenn niemand versteht was ich erzähle und wie werde ich z.B. mit Pauschalurteilen umgehen können wenn ich doch ein Jahr hatte um die Vielschichtigkeit des Landes und der Menschen kennenzulernen.

So bleiben meine Berichte selbst wenn sie mit noch so viel Herzblut geschrieben sein mögen doch nur ein entferntes Schattenbild, denn ein Jahr in Worte und Bilder zu fassen? Das kann ja nur unmöglich sein.

So ich muss weiter. Gleich werden wir uns noch Bustickets f[r eine Nachtfahrt nach Mumbai holen und dann mal schauen was Ahmedabad noch so zu bieten hat…

Viele Gruesse nach Deutschland! Haltet mir das Land noch ein bisschen warm bis ich Anfang September aus dem Flieger steige!

 

Fabian

 

PS: Bis jetzt konnte der olle PC die Bilder nicht hochladen… hoffentlich habe ich in einem anderen Cafe glueck, sie werden dann nachgeliefert.

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Eine Reise, ein Seminar und eine traurige Nachricht

Ansage für die neuen Blogleser/innen und Erinnerung für die erfahrenen Leser/innen: alles in diesem Bericht sind meine persönlichen Sichtweisen und Erfahrungen. Man sollte nicht den Fehler machen davon auf ganz Indien, Orte oder Leute zu schließen.

Hallo mal wieder.

Diesmal habe ich viel zu berichten. Vom 16. Februar bis zum 4. März war ich im Süden von Indien, erst in Vishakapatnam, zwei Tage in Bangalore, dann auf dem obligatorischen Halbjahresseminar von VIA e.V. und auf dem Rückweg haben Anna, meine Mitbewohnerin und ich noch in Hyderbad, der Stadt der Perlen vorbeigeschaut.

Wo soll ich bloß angfangen… am Besten bei der Zugreise. Ich hatte ja schon mal vom Ticketbuchen erzählt und dass es eine Raketenwissnschaft sei. Wenn man sich ersteinmal eingearbeitet hat, ist es auch nicht komplizierter als die Website der Deutschen Bahn und das Reisen megaeasy! Für etwa 6€ kam ich im Schlafwagen mit coolen Leuten und frischer Luft gratis (die Fenster sind offen und vergittert) über Nacht 800km nach Vishakapatnam. Ein Küstenort in Andrah Pradesh mit 1,7 Millionen Einwohnern (17 Lakhs um bei der indischen Zählweise zu bleiben) und DIE touristische Hochburg in diesem Gebiet, aber nicht für birkenstocklatschende Unterhemd tragende Ausländer sondern vor Allem für die indische Mittel und Oberschicht.

Dementsprechend gab es dann am (sehr sauberen und gepflegten) Ramakrishna Beach tausende Eisverkäufer, Maiskolbenröster, Erdnussröster, Zuckerwatte, Kettenkrimskrams, Coladosen ect. Eine Strandpromenade wie man sie überall finden würde.

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Im Ernst: Es könnte auch Südfrankreich sein

Einzigartig ist, dass Vizag (der Stadtname für Eingeweihte) gleich

zeitig Hügel und Meer hat. Und naja… ich komme aus Schwaben, dem Land der Alb und der Hügel und die westbengalische Tiefbene geht mir mit der Zeit doch ein wenig auf den Senkel. Alles flach, kein Schönbuchplatteau… da war es eine Erlösung mal auf einem „Berg“ zu stehen, Aussicht zu haben und die Seeluft um die Nase streichen zu lassen!P17-02-13_10.50[1]

Es gibt sogar einen bekannten Hügeltempel in Bussentfernung (30 Rupees! Abzocke!). Und als ich dann diesen wunderschönen, erhabenen Tempel umgeben von grünbewaldeten Gipfeln sah mit den Läden, Küchen und Bettlern drumherum, da wurde mir klar wie ein religiöses Disneyland aussehen muss. Man wird zwischen Absperrungen auf festgelegten Pfaden durch den Tempel geleitet, je nachdem ob man gezahlt halt oder nicht, überall stehen Spendenboxen, man kann Pudjas (ähnlich einem Gottesdienst) aller Preisklassen bei den Priestern buchen. Dauernd dröhnen Glocken um die Wette und der Rauch der Räucherstäbchen beißt in den Augen. Wunderschön, und ein Erlebnis – zweifellos, und doch komplett anders als ich es erwartet hätte. Inzwischen besuche ich Tempel nur noch mit einer Hemdtasche voller Kleingeld.

Ein religiöser Freizeitpark

Ein religiöser Freizeitpark

Wer einen Reiseführer aufschlägt wird meist mit allen Sehenswürdigkeiten Indiens überhäuft. Der Taj Mahal, das Redfort, Sonnentempel… große Gebäude, jedes für sich. Ich kann ihnen meist aber gar nicht so viel abgewinnen. Für mich war es tausendmal interessanter durch Zufall zum alten Fischerstrand zu kommen, den Männern beim Netzeflicken zuzuschauen und die schlanken Fischerboote durch die Wellen pflügen zu sehen. Direkt am Strand liegt dann auch das Wellblechdorf in dem die Fischer mit Familien leben. Es passt so gar nicht in das Bild des Urlaubsortes und wurde vermutlich deshalb außerhalb der Sicht und Riechweite der Touristen gebaut. Das hygenische Problem, das in vielen Großstadtslums viele Todesopfer durch Epidemien ect. löst das Meer zum Glück unkompliziert. Wer aufs Klo muss geht einfach ein paar Schritte ins Wasser und hockt sich hin. Klingt für uns vielleicht komisch aber das ist wahrscheinlich die realistisch beste Lösung.

Die Kinder haben sich ein Müllboot gebaut - eines der ärmeren Viertel am Fischerstrand

Die Kinder haben sich ein Müllboot gebaut – eines der ärmeren Viertel am Fischerstrand

Ein paar tolle Erlebnisse und eine lange Zugfahrt später: Bangalore.

Bangalore. Die gehypte Megastadt, das Silicon Valley von Indien. Das teure Pflaster, die Vorzeigemetropole der aufsteigenden Wirtschaftsmacht Indien!

Leider muss ich gestehen, dass ich in den zwei Tagen, die ich in Bangalore verbracht habe nicht mitgerissen wurde. Keine Ahnung warum. Vielleicht machen mich gigantische Shoppingmalls einfach nicht so an. Und diese Rikschas in Großstädten. Ich habe den Eindruck dass sie mich mutwillig überfahren wollen! Ist natürlich nicht so aber man könnte schon irre werden bei dem Verkehr! Abends beim waschen konnte ich dann eine dicke Schicht schwarzen Smog-Schweiß-Gemisch von der Haut rubbeln wie mit einem Radiergummi. Manchmal bin ich froh, dass ich hier in der langweiligen Ödnis zwischen Reisfeldern und Landstraßen sitze wenn das die Alternative ist!

Beim Internationalen Jugendfreiwilligendienst (mein Endsendeprogramm) sind 3 Seminare verpflichtend. 12 Tage zur Vorbereitung in Deutschland, 8 Tage nach sechs Monaten und 5 nach der Rückkehr.

Das Zwischenseminar fand für uns 24 Freiwilligen in einer abgelegenen Anlage, abseits des ganzen Lärms und Smogs von Bangalore statt. Für die vielen Städt-FW eine willkommene Erholungsphase! Was soll ich sagen… es ist unglaublich entspannt eine Weile mit anderen Deutschen zu verbringen. Sachen sagen zu können, die einem auf der Seele liegen und auch mal abzukotzen.

Ich muss gestehen, dass ich in der letzten Zeit manchmal vergessen habe wie anders die Kultur doch ist, in der ich momentan lebe. Viele kleine Details sind anders. Das Verständnis von Pünktlichkeit, die Art wie Absprachen getroffen werden, die indirekte Kommunikation um nur ein paar zu nennen. Ich finde, dass es oft einfach Gelassenheit braucht um damit als deutsch Geprägter zurechtzukommen.

Auf dem Seminar wurde ich doch noch einmal daran erinnert, immer Geduld aufzubringen und im Zweifelsfall erst einmal nach dem Missverständnis zu suchen statt den Anderen zu beschuldigen.

Wichtig ist mir an dieser Stelle ein Nachtrag: In einem vorangegangen Blogeintrag hatte ich erzählt, dass ich die starke Benachteiligung der Frauen in meinem Umfeld zwar manchmal sehe, dass ich aber nie Dinge wie sexuelle Belästigung wahrnehmen würde.

Von 24 Freiwilligen auf dem Seminar waren nur 5 Männer und was die 19 Frauen zu berichten hatten… da kam mir das kalte Gruseln! Anscheinend ist es für Viele an der Tagesordnung nicht nur angestarrt, sondern angemacht und vereinzelt sogar angegrabscht zu werden. Natürlich nicht von allen Männern – einige helfen im Zweifelsfall – ich persönlich war aber geschockt, da Anna und ich sowas im Alltag gar nicht wahrnehmen.

Auf dem Rückweg ging für Anna und mich noch eineinhalb Tage nach Hyderabad. Für mich persönlich war das quasi eine Reise in eine alternative Zukunft, denn bevor ich von VIA den Vorschlag für Westbengalen bekommen hatte hieß mein Ziel noch „Don Bosco Kinderheim in Hyderabad“. Irgendwann wurde mir mitgeteilt, dass das Projekt nicht mehr dabei sei und so kam ich über Umwege dann in meine heutige Heimat, die Gandhi Mission.

Das Golconda Fort ... oder das, was davon übrig ist

Das Golconda Fort … oder das, was davon übrig ist

Nun sind wir wieder zurück und es gab wie schon berichtet gleich eine miese Nachricht. Das HIV-Projekt wird am 31. März beendet, 11 Menschen entlassen und über 1100 HIV-positive Menschen ohne ortsnahe Beratung zurückgelassen (70km bis zum nächsten Zentrum). So scheint das wohl mit Projekten zu sein, so sinnvoll sie auch sind. Für mich erschließt es sich nicht ganz, warum ein tolles Netzwerk aus vielen voll ausgestatteten Zentren über 5 Jahre aufgebaut wurde um dann nur ein Viertel davon in verkleinerter Version zurückzulassen.

Momentan herrscht deswegen echt miese Stimmung bei den Mitarbeitern, die für uns in diesen 6 Monaten wie eine Familie wurden. Die Arbeitslosenquote ist hoch und die Aussicht auf einen vergleichbaren Job schlecht.

Dafür wurden Anna und ich mit der Aufgabe betraut Projektanträge für sogenannte revolving funds zu schreiben. Dabei geht es darum einer Gruppe Geld zur Verfügung zu stellen, das als Grundkapital dient, etwa um ein Unternehmen zu gründen oder einen Wasserteich (hier in West Bengalen sind das große Wirtschaftsfaktoren wegen Feldbewässerung und Fischerei) zu renovieren.

Mit den Gewinnen bzw. dem Erlös der besseren Ernte und des Fisches wird das Geld dann zurück in den Topf gezahlt wobei die Gruppe selbst die Zinsen festlegt. Wenn er wieder voll ist, entscheidet die Gruppe selbst, wem sie das Geld verleihen möchten. Durch die Zinsen vergrößert sich die Summe außerdem, so, dass mit einem bestimmten Startbetrag viele Teiche renoviert werden können.

Um Spender zu finden werden wir nun eine Art Bewerbung schreiben und die dann an verschiedene potentielle Spender schicken. Ein Teich kann mit durchschnittlich 350€ saniert werden und wir hoffen natürlich zu viele Töpfe wie möglich aufmachen zu können.

Dann wünsche ich euch noch viel Glück beim Überstehen der letzten kalten Wochen. Viele Grüße aus dem sommerlichen Westbengalen!

Fabian

HIV-Zentrum wird geschlossen!

Kaum bin ich zurück vom VIA-Zwischenseminar in Bangalore, da kommt eine echte Scheißnachricht herein.

Das HIV-Projekt, welches seit 2007 infizierten Menschen in der Umgebung beisteht, Beratung, Unterstützung und eine Krankenstation bietet, läuft zum 31. März ersatzlos aus. Der Träger, die Bischofskonferenz hat beschlossen das Projekt nicht in kleinerer Form weiterlaufen zu lassen sondern ganz zu streichen, da es nur ein Zentrum pro Distikt geben soll.

Die Menschen werden zwar weiterhin über die Krankenhäuser ihre ART-Tabletten beziehen können, die AIDS verzögern, die ganze restliche Unterstützung fällt aber ersatzlos weg.

Wie kann das sein?”, fragt man sich da. Das Ding läuft super und man sieht Erfolge, warum wird es geschlossen?!

Tja das ist leider das Schicksal eines Projektes. Es hat einen Anfang und ein Ende. Das Geld fließt auch für NGOs nicht aus dem Wasserhahn, sondern wird meist nur über einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Irgendwann ist der Geldtopf dann halt leer. Nun hat das HIV-Zentrum genau das selbe Schicksal ereilt wie das Wassertestlabor und einige andere sinnvolle Projekte von SGBK.

Abgesehen davon, dass nun 1110 Klienten ohne diese Unterstützung dastehen verlieren allein in unserem Zentrum (es gibt 19 in Westbengalen, 5 werden weitergeführt) 11 Menschen ihren Arbeitsplatz und ich meine Ersatzfamilie ohne die das Leben hier tausendmal öder und liebloser wird.

Berichte aus Bangalore und meiner Reise kommen bald!

Presswurst, Stempelkissen und die Cheeseburger-Sandalen

Ein bengalisches Mela – wie ein deutscher Jahrmarkt mit einer Bühne, Süßigkeiten, vielen Leuten und einem Riesenrad, dass sich jedoch so schnell dreht, dass die Gondel stark nach außen gedrückt wird und beim höchsten Punkt das vom SilverStar bekannte Gefühl der fast-Schwerelosigkeit eintritt. Unendlicher Spaß auf dem Ghatal-Mela!

Was gibt’s da sonstnochso? Tausende Läden die wirklich alles von der Nadel bis zum Elefanten verkaufen (Spaß). Klamotten kaufen wird für mich aber zum echten Drahtseilakt. Immer drauf achten, dass das Hemd mindestens XXL-Größe ist, damit es nicht sofort reißt. Auch mit den Größten davon sehe ich oft immer noch aus wie Presswurst. Dasselbe mit den Jeans („No we have no 34-Size“). Ich bin ja echt kein Riese aber selbst für mich ist es nicht leicht Passendes zu finden.

Die Preise sind Verhandlungssache. Wenn du ein eine Viertelstunde aufwenden kannst, glaubhaft machen kannst, dass du das Hemd eigentlich gar nicht haben willst und es dir dann quasi für 2€ vom Verkäufer „aufdrücken“ lässt… wahrscheinlich hab ich trotzdem zu viel gezahlt. Ich hab ja schon immer gewusst, dass das 20€-Hemd bei H&M eigentlich nur 1€ kostet und der Rest vom Handel abgegriffen wird, aber wirklich fühlen tust du es erst wenn du dir klarmachst, dass die Sandalen, die du anhast so viel gekostet haben wie ein Cheeseburger im deutschen

Dichtes Gedränge und Alles zu kaufen

Dichtes Gedränge und Alles zu kaufen

McDonalds.

Witzig war auch die Rückfahrt im Bus. Ihr kennt doch die Bilder aus den Erdkundebüchern mit den indischen Bussen, Leute auf dem Dach, die Tür geht vor Gedränge nicht mehr zu, überall hängen Menschen dran und man denkt sich: „Oh Gott kann der überhaupt noch fahren?“ Naja. Ja. Er kann.

Grad müssen die Akten des HIV-Büros gezählt und kontrolliert werden, das das Programm bald ausläuft und durch eine abgespeckte Version ersetzt wird (wenns gut geht). Das Hauptblöde ist, dass 1100 Klienten ohne Krankenstation für akute

Erkrankungen auskommen müssen und 3 Leute arbeitlos werden. Ein Nebeneffekt ist, dass ich das Monster namens Bücherbürokratie kennenlerne wenn ich dabei mithelfe. Das ist Wahnsinn! Alles muss in 10 verschiedenen Büchern stehen und manche Tabellen von Hand dazu gezeichnet werden – Vorgabe vom Träger. Bei dieser Aktenarbeit spüre ich mich jedes mal lethargisch werden. Langsamer. Mein Gehirn stirbt ab.

Wenn man die Leute endlich mal ihre Arbeit machen ließe statt sie mit Bleistift und Lineal vor Registern verschimmeln zu lassen, wäre AIDS bestimmt schon längst geheilt!

Stempelkissen sind hier übrigens alle von Faber-Castell. Ein gigantisches Monopol, wenn man bedenkt wie groß der Stempelbedarf der hochgezüchteten indischen Papierbürokratie ist.

Inzwischen war ich auch mal wieder beim Frisör. Für 15 Rupies (22Cent) verwendete er echt viel Liebe und Sorgfalt darauf meine Haare wieder in eine vorzeigbare Form zu bringen. Der Knackpunkt ist ein weiteres Mal die Sprachbarriere weshalb der Besuch dann eher einem Blindekuh-Spiel ähnelt bei dem man am Ende dann die Augenbinde abnimmt und schauen kann was es geworden ist. Aber abermals hat er mich positiv überrascht!P1250329

Mit neuer Frisur und dem nicht-traditionellen Lungi (Männerrock) – krass bequem

 

Und jetzt noch was Ernstes:

Das mit der Schule läuft gerade richtig an. Das heißt: Unterricht vorbereiten, Material basteln und rund um die Uhr läuft die Kreativitätsmaschine im Kopf um was zu finden das Spaß macht, was bringt und so viele Schüler wie möglich in die Schule zieht.

Es ist nämlich eine eine art neben-Grundschule, bei der die (sehr netten) Lehrerinnen nur wenig Training und sehr wenig Gehalt bekommen. Das heißt dann: Vorsagen, Nachsagen lassen, Abfragen… . Die Qualität ist allgemein nicht so hoch, oft werden 4 Klassenstufen gleichzeitig von 2 Lehrerinnen in einem Raum unterrichtet.

Da kommen Anna und ich ins Spiel. Mit einfachen Spielen, Karten und Englisch versuchen wir den Kindern dann so viel wie möglich beizubringen.

Die Lehrerinnen sprechen fast kein Englisch und manchmal schauen sie Anna und mir beim Unterrichten zu. Während der Stunde. Ich finde das extrem blöd! Die Eltern sind oftmals arm und die Kinder haben wenig Chancen an eine ordentliche Bildung zu kommen. Die Kinder kriegen sowieso schon wenig Unterricht, den muss man dann nicht verschwenden.

Neulich war der Geburtstag von Subhash Chandra Bose, einem indischen Freiheitskämpfer, der zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland und Japan reiste um dort indische Kampfverbände aufstellte die gegen die Engländer kämpften. Hier ist er eine Lokalberühmtheit, weil er aus West Benagalen stammt. In Ghatal gab es sogar einen Netaji ( großer Führer)-Lauf der mich echt angemacht hätte. Aber ich laufe für niemanden der unter der Waffen-SS gekämpft hat!

Flaggenhissen in der Schule zu "Führers"- Geburtstag

Flaggenhissen in der Schule zu „Führers“- Geburtstag

Eine tolle Zeit!

Es gibt Neues! Viel Spaß beim Lesen wünsche ich dir!

Delhi

Bei einer Besprechung mit einem anderen Gandhianer (Anhänger Gandhis Ideologie) hatte mein Seniorchef Ende November eine großartige Idee: „I will go to a adivasi program in Delhi in one week. You can also join, if you get some train tickets.“

Delhi? Geile Idee!

Also nichts wie ein Ticket besorgen. Das ist sehr schwer, weil das indische Online-Buchungssystem eine echte Raketenwissenschaft ist, wenn man sich damit nicht auskennt. Doch dann nahm es uns der Juniorchef ab („no problem I have a friend…“) was zur Folge hatte, dass die Tickets dann erst für einen Tag später galten. Egal! Delhi!

Das Adivasi-Treffen, bei dem Anna und ich die ersten zwei Tage waren, war echt toll. Es gab Tanzprogramme, Reden von wichtigen Leuten (ist wohl überall so) und ich konnte mit ein paar Leuten aus ganz Indien sprechen.

Ein "Tribal Dance" aus Assam

Ein „Tribal Dance“ aus Assam

Die gesamte Veranstaltung findet erst das zweite Jahr in Folge statt. Bisher werden die Adivasi oft verachtet, ihre Rechte mit Füßen getreten und die Kultur zerstört. Witziger weise waren wir für Viele eine genauso große Attraktion. Alle 3 Minuten „Excuse me can we take a photo with you?“ Sobald ich dann „Yes, no problem.“ gesagt hatte, versammelte sich in Sekundenschnelle die gesamte Mannschaft um mit uns Bilder zu machen. So viel Bildmaterial von mir… das passt auf keine Festplatte!

Dann war es an der Zeit, die Stadt kennenzulernen. Die 11 Millionen Menschen-Megastadt Dehli. Dieser riesige Topf mit so vielen unterschiedlichen Leuten und Kulturen. Im Gegensatz zu meinen Mitfreiwilligen aus der Hauptstadt war der ganze Trubel neu für mich. Die breiten Straßen, die vielen Autos, die westliche Kleidung, die Metro, die topmoderner ist als jede deutsche U-Bahn. Ich habe mich sofort gefühlt wie ein Landei auf Stadtrundfahrt, wie nach Europa gebeamt. Auch Kolkata ist damit nicht zu vergleichen.

Auf mich wirkte Delhi sofort irgendwie krass. In Teilen wie eine Parodie der Königsstraße, raus geputzt und hochgezüchtet mit einem indischen McDonalds, der,wen wundert es, genau so aussah wie jeder McDonalds, nur mit mehr Menschen. Der Big Mac heißt dort jedenfalls nicht „Le Big Macke“, sondern es gibt ihn nicht (Kühe werden nicht gegessen). Es sind eben die kleinen Unterschiede.

Auf jeden Fall sind wir bei Mitfreiwilligen abgestiegen, die eine WG in einem relativ zentralen Stadteil haben („in Dehli ist doch alles zentral!“). Es ist eine wirklich schnucklige Mittelschichtssiedlung, die nur mittelmäßig schlimmem Lärm und Smog ausgesetzt ist und sogar ein paar Parks hat.

Humajuns Tomb - Man darf ja auch mal Tourist sein

Humajuns Tomb – Man darf ja auch mal Tourist sein

Und in dem Laden um die Ecke gabs Nutella! Nutella! 250g kosten so viel wie 72 Bananen in Daspur, aber das Glas musste ich einfach haben! Nur so zum haben und in besonderen Momenten ein Toast damit schmieren….

Muss ich in Daspur doch auf einzelne Dinge, z.B. Klettern (Flachebene, kein Stein weit und breit), verzichten, scheint in Dehli wohl alles da zu sein. Eine Mitfreiwillige hatte mich eines Abends zur Kletterwand mitgenommen.

Anfangs war ich noch skeptisch: Wenn sich das Sicherheitsverständnis im Straßenverkehr und beim Kokosbaumklettern aufs Klettern übertragen lassen, bleib ich lieber unten!

Aber schwups trat mir meine Voreingenommenheit in den Hintern: Ein 20-Meter Kletterturm mit Haken und Expressen wie ich sie kenne, Markengurten, Tubes als Sicherungsgeräte und Seile die wie neu aussehen. Hat richtig Spaß gemacht die Wand hochzuturnen und danach dem indischen Speedmeister beim Training zuzuschauen.

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Viel zu schnell ging es dann schon wieder im Schlafwagen zurück nach Westbengalen. Und ich muss sagen,dass ich mich ein bisschen in Delhi verliebt habe. Dieser wilde Mischmasch aus Reich, Arm, Hindus, Muslimen, Groß, Klein und sämtlichen Schattierungen dazwischen hat mich schwer beeindruckt.

Selbstzensur

Ich muss etwas gestehen. Ich habe zensiert. Ganz schlimm zensiert. Wen ich daran gehindert habe Alles zu erzählen? Mich selbst. Vielleicht die schlimmste Art der Zensur.

Wenn ich meine alten Blogeinträge lese, merke ich, dass einige Dinge fehlen. Es sind die schlechten Dinge, die vielleicht nicht so lustig und leicht zu erzählen sind. Die unangenehmen Erfahrungen, die Unsicherheit und die Probleme mit der Arbeit. Warum ich das weggelassen habe? Naja – es ist doch immer schöner angenehme und tolle Dinge zu erzählen. Erzählst du auf einer Urlaubskarte, dass der Campingplatz kacke ist und dass die blöden Jugendlichen von Gegenüber die ganze Nacht nur saufen und feiern? Nein. Du schickst eine Karte mit Sonne und Strand drauf und alle sind glücklich.

Das darf nicht so bleiben! Ab jetzt werde ich mich bemühen Alles zu erzählen. Von der von meinen Chefs verblödelten Registrierung, wegen der ich 3 Tage illegal war. Ich werde erzählen, dass ich mich zeitweise zu Tode gelangweilt, und ich keine Perspektive auf Arbeit gesehen habe, dass ich das Gefühl hatte ein nutzloses Ausstellungsobjekt zu sein.

Und wenn Alles erzählt ist, das Gute und das Schlechte, erst dann kann ich sagen: Ja! Ich war ehrlich und habe niemandem ein Traumland vorgespielt!

Das liebe Geld

Um eines von vornherein klarzustellen: Mit den 100€ Taschengeld im Monat von VIA stehe ich im Vergleich zu vielen der Menschen hier finanziell extrem gut da. 100€ ist so viel wie eine ausgebildete und erfahrene 24/7 Krankenschwester bei uns als Gehalt bekommt.

Klar, ich könnte durch die Gegend laufen, mit Geld um mich werfen, Markenprodukte kaufen mich mit mit Süßigkeiten vollfressen. Klar könnte ich einfach jedes mal mit einem Hunderter zahlen und nicht aufs Wechselgeld achten. Klar könnte ich 5€-Jeans kaufen bis zum Umfallen. Aber macht mich das glücklich? In der Großstadt muss man aber wegen höheren Preisen und Möglichkeiten (Kletterwände! Hallo?!) einfach aufs Geld aufpassen.

In Delhi habe ich verhandeln gelernt. Während ich auf dem Dorf meistens den Inderpreis zahle: In Delhi erst mal den genannten Preis halbieren und hart verhandeln. Um eine Hannah zu Wort kommen zu lassen:

Jedes mal wenn ich aus der Ritschka aussteige, habe ich das Gefühl, zu viel bezahlt zu haben aber dann denk ich mir: Ach wenn schon. Soll er seiner Frau was schönes kaufen.

Vielleicht ist das einfach die Freiheit die mir mein Geld verleiht. Mich nicht jedes mal ärgern zu müssen wenn ich ein paar Rupies zu viel hab liegenlassen.

Die indische Hochzeit

Gleich nach der Rückkehr fand bei uns in der Gandhi Mission das Mega-Event des Jahres statt: Mein Juniorchef und seine langjährige Freundin heirateten.

Uhhh Love-Marriage how sweet!“

Ja genau. Nach langem Fragen habe ich raus gefunden, dass das anscheinend nicht üblich ist. Gewöhnlich wird ein passender Partner aus einer Art Katalog ausgesucht. Manchmal dürfen die zukünftigen Ehepartner dann noch zustimmen oder ablehnen, in der Regel wird dann aber ein völlig Unbekannter geheiratet.

Da die Cheffamilie eine Regionalbekanntheit ist, mussten für die dreitägige Feier natürlich alle Register gezogen werden. Und das wurden sie auch! Lichterketten an jedem Gebäude, eine angeleuchtete Fontäne auf dem See und mehrere Tag lang das beste Essen (oh mein Gott habe ich mich überfressen!).

Anna und das Henna

Anna und das Henna

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Lakshmi und ich nach der traditionellen Farbschlacht

 

Am ersten Tag trug der Bräutigam ausschließlich Dhoti (die Wickelhose vom letzten Mal) und wurde mehreren Ritualen unterzogen, was ihn aber nicht daran hindern konnte mitten in der Zeremonie an sein klingelndes Handy zu gehen und den Singsang seiner Tanten zu übertönen, die irgendwas traditionelles mit Religion mit ihm veranstalteten. Extrem Skurril!

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Bengalische Festivals – Ausreden um noch mehr und noch besser zu essen

 

Abends wurden Anna und ich dann verkleidet und die gesamte Hochzeitsgesellschaft fuhr mit einem 100-Personen Bus nach Kolkata zum Haus der Braut. Wegen Verzögerungen ect. kamen wir statt 9 erst um 11 Uhr an und machten uns gleich dran das Buffet zu vernichten und die prächtig geschmückte Braut (klimpernder Weihnachtsbaum hoch10) zu bewundern.

Gerade als mein Bauch so gegen 12:30 gut gefüllt mit allerlei Leckereien war und ich dachte: „Jetzt kann die Zeremonie kommen!“, hieß es, dass wir jetzt zurückfahren würden. Wie bitte?! Wir sind doch grade erst angekommen! Aber so lief das. Alle Gäste stiegen zurück in den Bus und fuhren 3 Stunden heim. Die ganze Rückfahrt dachte ich nur: „Im Ernst?!“ 8 Stunden Bus fahren für eine Stunde essen?

Tja aber so läuft das tatsächlich. Die echte Trauung findet im Kreis der engen Familie statt (die Fotos waren noch bevor ich todmüde und vollgefressen ins Bett fiel auf Facebook hochgeladen).

Dann einen Tag Pause, an dem das Brautpaar von Kolkata nach Daspur kam (Die Zeit wurde natürlich mit Essen vertrieben).

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Normalerweise hat sie normale Klamotten an

 

Der dritte Tag

Laut Plan stand die Geschenkübergabe von Bräutigamsfamilie an Braut und eine weitere Brautschau für alle Freunde und Bekannte (inklusive Riesenfestmahl) an. Gegend Abend ging es dann los. Riesenshow! Erleuchtete Gebäude, Blumenschmuck überall, Musik, Esshalle aus Bambus und Stoffbahnen, Cateringservice und ein Futschkastand für umsonst. Es wurde wirklich alles aufgefahren. Gegen 10 Uhr wartete ich dann auf das versprochene gemeinsame Tanzen und Feiern.

Alle Register gezogen für die Hochzeit

Alle Register gezogen für die Hochzeit

Aber nix da! Die ersten Gäste gingen, es wurde aufgeräumt und das Brautpaar verzog sich allmählich ins gemeinsame Schlafgemacht.

Wie jetzt?! Mir wurde Party und Feiern bis spät in die Nacht versprochen! Um 10 gehen in Deutschland ja noch nichtmal die Paare mit Babys und selbst die Großeltern bleiben bis zur Afterhour. Aber so ist das halt. Vielleicht wäre es ja anders gewesen, wenn es Alkohol als Treibstoff gegeben hätte.

Mein Fazit zur indischen Hochzeit: Wunderschön, Farbig, Groß und für mich teilweise wirklich Bizarr!

Weihnachten in der Gandhi Mission

In West Bengalen, dem indischen Bundesstaat, in dem ich meinen internationalen Freiwilligendienst leiste, wird traditionell kein Weihnachten gefeiert, da der größte Anteil der Bevölkerung Hindus oder Muslime sind.

Dieses Jahr sind aber zwei Deutsche in der Gandhi Mission (Meine Mitfreiwillige Anna und ich). Deshalb schlug der Chef uns Mitarbeitern vor, eine Weihnachtsfeier zu organisieren und wir machten uns natürlich sofort daran alles vorzubereiten.

Bald war entschieden, dass Decken an bedürftige Familien und Kleidung an die HIV-infizierten Kinder, die im HIV-Zentrum gemeldet sind zu verteilen. Unsere Kollegen klemmten sich also ans Telefon oder statteten den betreffenden Familien einen Besuch ab um sie einzuladen. Ohne Geld kann aber logischerweise keine Party steigen und deshalb hatte ich die Idee, die SMV des OHG zu fragen. Annas Johanniter-Verein in Aalen hatte sich dann genau wie ihr bereiterklärt Geld zu beizusteuern, indem sie bei als Engel und Nikoläuse verkleidet Weihnachtsfeiern besuchten und das Geld spendeten.

Die Schüler des OHG haben uns schließlich ebenfalls 10% des Weihnachtsbasarerlöses zur Verfügung gestellt! Danke!

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Um Weihnachten europäisch zu feiern, musste – das war klar – die ganze Halle weihnachtlich geschmückt werden. In Deutschland wäre ich einfach in den nächsten Supermarkt gelaufen und mit einem Einkaufswagen voll Deko raus gekommen aber so läuft das hier logischerweise nicht. Also verbrachten Anna und ich einige Abende damit tonnenweise Weihnachtsdekoration zu basteln, die Pullis, Decken und Mützen in Geschenkpapier zu packen und die Halle zu schmücken. Tannen gibt´s nicht aber dafür konnte Arub einen Nadelbaum als Ersatz organisieren.

Auch im Gedanken an den Weihnachtsbasar, bei dem es ja immer Unmengen von Essen und Trinken gibt, kochten wir einen Riesenpott Weihnachtspunsch aus Mangosaft, Früchtetee, Schwarztee und Gewürzen. Weihnachtsfeeling aus dem Becher quasi.

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Meine Nichte Munna

 

Schon war Weihnachten (mit ca. 15 Grad kälter als in manchen Teilen Deutschlands) und unser Fest konnte beginnen!

"Do we have enough crayons that the HIV-negative children can also partipicate?" "Of course!"

„Do we have enough crayons that the HIV-negative children can also partipicate?“ „Of course!“

Zur Begrüßung gab´s Weihnachtspunsch für Alle in der festlich geschmückten Halle, anschließend wurden – ganz in indischer Manier – Reden über Weihnachten gehalten, darunter auch meine, die der Seniorchef dann simultan übersetzte. Nach einem leckeren Mittagessen durften die Kinder am Malwettbewerb teilnehmen und sogar die Wachskreiden behalten.

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Schließlich wurden die Geschenke vor dem Weihnachtsbaum verteilt. Die Kinder freuten sich über die nagelneuen Pullis und Kappen (Menschen mit HIV gehören oft zu den Ärmeren). In Indien wird an Weihnachten Kuchen gegessen – mit bisher völlig unbekannt aber da das Ganze ja schließlich ein kultureller Mix war, verteilten wir kurz vor dem Heimgehen Weihnachtsmuffins in die Gäste.

Es klingt toll, aber ich muss zugeben, dass ich mich stellenweise echt komisch gefühlt habe. Der Chef tauchte auf, setzte sich aufs Podium, dirigierte ein paar Mitarbeiter durch die Gegend und aß dann mit uns und den wichtigen Gästen im besonderen Speisesaal.

Was soll das? Wie kann ich denn Gleichheit und Fürsorge predigen, wenn ich zu fein bin mit den normalen Leuten zu essen.

Auch die Geschenkübergabe fühlte sich nicht richtig an. In Westbengalen ist es ein Zeichen der Dankbarkeit, die Füße eines Gebers anzufassen. Wir mussten also vorm Podium stehen, Kindern Geschenke überreichen und dabei immerimmerimmer in die Kamera lächeln und danach wurden noch meine ungewaschenen Füße angefasst. Da hab ich mich echt mies gefühlt. Es war als sei das ganze eine halbe PR-Aktion. Der Weiße kommt und bringt den kleinen Inderkindern Geschenke. Zum Kotzen! Das ändert nichts daran, dass viele Menschen warme Kleidung bekommen haben. Das zählt!

Arbeit und keine Arbeit

Seit September habe ich schon einige Blogeinträge geschrieben. Was vielleicht nie so ganz rauskam, war, dass trotz aller tollen Erfahrungen auch echt blöde Sachen gibt. Also fang ich mal an davon zu erzählen:

Unsere beiden Chefs sind in meinen Augen oft unzuverlässig (da ich mich auf die meisten Anderen verlassen kann ist es wohl etwas persönliches, nichts kulturelles). Von Anfang an gab es hier keine Schule, das wusste niemand von meiner Endsendeorganisation. Mein Mentor, der junge Chef hat eine verbale Abfallquote von geschätzten 70%, kann und weiß alles. Dann ist es bis heute so, dass uns der Seniorchef Fremden als Studenten vorstellt, die hier studies machen sollen. Als Freiwillige Arbeiter, der ich bin und sein will, hat er uns noch nie bezeichnet.

Leider wurde ich lange Zeit genau so behandelt. Trotz vielen Bemühungen schien niemand Interesse daran zu haben, dass Anna und ich arbeiten.

Klar kann man sagen: „Reise viel, schau dir das Land an, genieß die Freizeit!“. Aber dafür bin ich nicht hergekommen. Da hätte ich auch eine Indienreise machen können. Ich will etwas sinnvolles tun, mich nützlich fühlen. Stattdessen gab´s stundenlanges rumsitzen und irgendwann eine halbe Stunde Aktenarbeit am Tag, gerade soviel um zu merken wie nutzlos ich war. Wahrend dieser Zeit gab´s auch echte Tiefs in denen ich dachte: „Mensch was zur Hölle machst du hier eigentlich? Warum bin ich nicht in einem komplett anderen Projekt, irgendwo wo´s gut ist!“ Also hatte ich die Optionen: Bei VIA anrufen und rumheulen, dass alles blöd ist, obwohl ich ansonsten extrem gut lebe. Oder das Beste draus machen, im Zwischenbericht schreiben, wie es läuft und auf eine Reaktion warten. Ich hatte mich für Zweiteres entschieden.

Durch Zufall war der ehemalige Geschäftsführer und Vermittler von VIA mit der Gandhi Mission gerade auf einer Indienreise mit seiner Verlobten. Obwohl es nicht geplant war und er mittlerweile nicht mehr dafür arbeitet, kamen sie dann vom 1. bis zum 3. Januar auf die Gandhi Mission um uns zu besuchen. Juhuu!

Peter Raukes hörte viel zu, fragte noch mehr nach und hatte bei meinem Chef auch die Autorität einfach zu unterbrechen wenn ein langer Monolog seinen Lauf nimmt. Erst durch ihn haben wir ein paar richtige Antworten auf ein paar Fragen bekommen. Ohne viel Gefackel schnappte er sich meinen Mentor als Übersetzer und versuchte bei der staatlichen Grundschule, bei der wir gelegentliche Bespaßung gemacht hatten eine feste Arbeitsstelle zu organisieren. Und tatsächlich! Wir dürfen trotz der Sprachbarriere (wir kein Bengali, die Lehrerinnen kein Englisch) unterrichten! Geil!

Nach einer Woche zuschauen haben Anna und ich nun die dritte Klasse in Englisch übernommen und es läuft gut. Das erste Mal sind die Kinder nun gezwungen Englisch zu sprechen, wenn sie mir was sagen möchten und das ist schon mehr wert als 100 Seiten im Schulbuch. Nachdem ich jetzt weiß wie der Unterricht normalerweise läuft – vorsagen – wiederholen – vorsagen…. weiß ich warum ich das Gefühl habe, dass Viele in meinem Umfeld seit wir hier sind sehr viel besser Englisch sprechen: Das erste Mal müssen sie wirklich Englisch sprechen, wenn sie sich mit gegenüber verständlich machen möchten. Über lange Zeit im echten Leben sprechen und merken: Der versteht mich ja!

Auch außenrum gibt es viel zu tun. Die Website ausbessern, Krankenhausregister digitalisieren um die Kataraktforschung zu unterstützen und und und.

Kolkata

Da Dienstag keine Schule war, fuhren Anna und ich mit dem Bus nach Kolkata um mal diese berühmt-berüchtigte Stadt zu erkunden. Der Plan: Immer wenn ein Tag mal frei ist um 6 loszufahren, 9 in Howrah ankommen, und um 5 wieder zurück.

Es ist einfach komplett anders als Delhi. Kolkata ist enger, in weiten Teilen schmutziger und doch einfach magisch! Es klingt klitscheehaft aber Kolkata lebt! Es pulsiert im Dröhnen der rostigen, wunderschön bemalten Busse die sich zu tausenden durch die Straßen schieben,die Fahrkartenverkäufer wie Marktschreier aus der offenen Tür hängend und um die Wette schreiend, „HowrahHowrahHowrah!!!“ als gelte es die Leute nicht in einen Bus sondern in ein Geschäft zu rufen.

Das Victoria-Memorial, dass sich weiß strahlend wie eine Mischung aus Capitol und Taj Mahal aus dem Dunst der Stadt erhebt inmitten eines Parks mit europäischen Bäumen, die im Winter – hier nicht üblich – blattlos sind.

Davor dampfen die heißen Pfannen der Straßenrestaurants, die von Sonnenauf- bis untergang auf dem Gehweg alle Leckereien zusammenbraten, gleich neben einem langen Streifen Gehweg, der einigen Familien als Wohnung dient. Auf 2x3m mit einem aus Bambus und Plastikfolie errichteten Unterstand, wird alles getan, was man als Familie so macht, kochen, schlafen, Karten spielen, Mütter stillen ihre Baby, Väter spielen mit den Kindern, während ich aus dem Fenster eines vorbeifahrenden Busses zuschaue.

Und wieder kann ich es nicht einordnen. Ja, die Menschen sind offensichtlich arm, sie sehen nicht erbärmlich oder gebrochen aus, sondern wie jede andere Familie, die gezwungen wäre auf dem Gehsteig zu leben.

Man darf nicht den Fehler machen, das als Ausrede zu nehmen, nichts dagegen zu tun, aber wir dürfen die Menschen auch nicht auf ihre finanzielle Armut reduzieren.

Die Vergewaltigung in Delhi

Wer jetzt auf die Insider-News aus Indien hofft, den muss ich leider enttäuschen. Ich leben über 1000km von Delhi weg, schaue kein Fernsehen, lese selten eine Englische Zeitung und es ist auch nicht Gesprächsthema (jedenfalls nicht wenn ich dabei bin).

Aber etwas kann ich euch sagen: Wenn ich hier in WB eine Zeitung aufschlage, dann war und ist die Hälfte mit Berichten von häuslicher Gewalt und Vergewaltigungen gefüllt. Das ist grausam und echt furchtbar zu lesen. Für mich zeigt es aber in gewisser Weise auch, dass das Thema scheinbar nicht überall totgeschwiegen wird. In der Berichterstattung wird oft überspitzt, Tatsachen geraten zu krass und wer nun glaubt, dass jede indische Frau ohne Licht in einem Loch haust, dem kann ich sagen: Jeden Tag sehe ich so viele, so selbstbewusste und fröhliche Frauen, das kann wohl nicht stimmen. Man sollte nie nur eine Geschichte erzählen.

In diesem Sinne sage ich dankeschön fürs lesen und begleiten! Ich werde auch weithin versuchen so viele Geschichten wie möglich zu erzählen!
Fabian

Freibeuterische Grüße vom Golf von Bengalen

Freibeuterische Grüße vom Golf von Bengalen

OHG spendet!

Eine Freudennachricht! Dieses Jahr gehen 10% der Weihnachtsbasar-Einnahmen an unsere Weihnachtsaktion!

Am 24. werden wir (die Gandhi Mission) 100 Decken an ärmere Familien und Kleidung für 125 HIV-infizierte Kinder verschenken können! Das wird unter anderem durch die großzügige Spende des OHG ermöglicht

Ehrlich gesagt finde ich es tausendmal schöner wenn die Menschen wissen, dass das Geld nicht einfach aus dem Hut gezaubert wird, sondern dass 650 Schüler hart dafür arbeiten ihr Weihnachtsfest zu verschönern!

 

Gleich nach Delhi fangen wir an die Einzelheiten zu planen und Heiligabend vorzubereiten. Delhi? Genau! Anna und ich werden morgen in die Hauptstadt fahren und dort einem nationalen Treffen der Tribal People beiwohnen. Voll Geil!

Natürlich werde ich auch ein paar Freunde die auch einen IJFD machen besuchen und mir mal das indische Leben außerhalb der Pampa zeigen lassen. Reine Landluft schön und gut aber allmählich könnte ich mal wieder ein bisschen Chaos vertragen

Achja und dann wurden Anna und ich neulich in traditionelle bengalische Kleidung gesteckt. Für Anna gab es einen wunderschönen Sari aus geschätzten 6 Metern Stoffbahnen in den komplizierten Faltungen eingearbeitet werden. Anschließend wurde sie dann von Manusi, einer Mitarbeiterin mit jedem aufzutreibenden Schmuck behängt bis sie aussah wie ein wandelnder, klimpernder Weihnachtsbaum mit einem roten Punkt auf der Stirn. (Ich: “Anna kann ich das schreiben?“ Anna: „Naja passt ja. Der Sari war grün.“)

Für den Herren (Mich) gab es eine Hose, die aus einer einzigen Bahn Stoff gebunden und gefaltet wird (wie man damit aufs Klo geht muss ich dringend noch rausfinden), den Duti. Drüber gab ein langes Kleidungsstück es dann etwas was in Deutschland vielleicht als Zwitter aus weißem Polo und Nachthemd verkauft hätte und mir bis zu den Knien geht.

Im Spiegel kam ich mir ehrlich gesagt ziemlich komisch vor aber Hujuhu! Wie das ankam! Ausnahmsweise wurde ich nicht nur wegen meiner weißen Haut angestarrt sondern auch wegen der Kleidung, es war fast als wäre ich in einem AXE-Werbefilm gelandet. Aber zum Glück habe ich (trotz zahlreichen Überredunsversuchen) nicht die Absicht in Indien zu heiraten.

Da an dem Tag ein Tribal-Treffen bei uns war gabs natürlich auch gleich die Gelegenheit zu zeigen wie interkulturell ich doch war und tatsächlich!

Ohne viel Rumgelaber wurden Anna und ich von den Leuten einfach in die Tanzreihe mit reingezogen und sind abgegangen! Naja man tanzt schon anders als in Deutschland aber abgehen kann ich zu Trommelrhythmen auch extrem gut!

Anna beim Abgehen

Gerade läuft hier ein Workcamp mit Leuten aus Sri Lanka, Bangadesh, Indien dank Anna und mir auch Deutschland.

Seit 3 Tagen räumen wir auf dem Gelände auf, pflanzen Bäume, reißen Pflanzen aus, hacken den Boden um und mähen Gras. Habt ihr euch schonmal gefragt ob die Kokosnüsse so wie sie im Regal liegen auch am Baum hängen? Tun sie nicht und ich lerne allmählich wie man die Guten erkennt, sie öffnet, die Milch trinkt und das Fruchtfleisch rauslöst. Sehr nützliches Wissen in einem Land das zur Hälfte aus Kokospalmen besteht.

Das mit dem Kokospalmenklettern bekomm ich auch noch raus.

Candellight-Dinner mit orginal Sri Lankanischem Essen.

Da will man den Leuten nur ein wenig die Gegend zeigen und findet einen wunderschönen Riesentempel!

Endlich weiß ich warum ich im Straßenverkehr noch nicht gestorben bin! Erinnert ihr euch noch an den magischen Bus (der Fahrende Ritter) aus Harry Potter? Egal wo er fährt, alle Hindernisse hüpfen ihm aus dem Weg und er baut deshalb nie einen Unfall. Und wenn ein Auto doch mal auf Kollisionskurs ist macht er sich dünn und schiebt sich dran vorbei.

Naja…. Genau so müssen die bengalischen Busse funktionieren. Jeder hat so einen Fahrender-Ritter-Aggregat im Kofferraum und deshalb gibt’s einfach keinen Zusammenstoß. Geheimnis gelöst.

Dann wünsche ich euch mal einen schönen Weihnachtsbasar (kauft fleißig!)
und eine schöne Zeit

euer Fabian

Sugo Dipavoli! Froehliches Diwali!

Was auf den ersten Blick in der Zeit nach meiner Ankunft sehr ähnlich für mich aussah bekommt Hubbel und Risse und allmählich bemerke ich wie doch Vieles sehr viel anders ist als ich es aus Deutschland kenne.

Am Anfang war ich, vielleicht sehr naiv, überrascht, dass auch auf den Autobahnen und in den Dörfern ein motorisierter Hochbetrieb herrschte. Für mich sah es so aus als hätte Jeder hier schon längst ein Auto und würde damit munter durch die Gegend brausen. Nach einer gewissen Zeit weiß ich jetzt aber, dass das so nicht stimmt. Ich werde groß angeschaut, wenn ich erkläre, niemals Motorrad gefahren zu sein „No bike?!“.

Das Motorrad ist hier auf dem Lande neben dem Bus und dem Fahrrad das Haupttransportmittel. Wofür man in Deutschland wenigstens einen Kleinwagen benötigen würde, das wird einfach mit dem Bike erledigt. Markteinkäuft, Kumpels, die Großmutter – alles kommt drauf und dann los.

Der Markt in Daspur an einem ruhigen Nachmittag

 

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Nicht jedes Motorrad ist ein LKW aber auf dem Fahrten zu Eye-Camps habe ich schon kleine Familien mit den Eltern und zwei Kindern auf einem normalen Motorrad gesehen. Jeder richtige Mann kann hier Bike fahren. Dafür werde ich wie ein Eisbär angeschaut, wenn ich erkläre, dass ich Auto fahren kann und Anna erst! Frauen fahren nicht so oft Fahrrad, noch seltener Motorrad aber Auto? Das ist für Viele sehr obskur.

Unser Seniorchef ist dank seiner 35-jährigen leitenden Position hier eine richtige Lokalbekanntheit was uns im Anhang Zugang zu verschiedenen Veranstaltungen wie etwa Pandal-Eröffnungen oder wichtigen Meetings verschafft. Oft sitzen wir dann mit auf dem Podium, die Leute schauen mich an, ich schaue die Leute an und so ganz wissen wir dann oft nichts miteinander anzufangen, nur, dass da oben ein Weißer sitzt der eine Sprache spricht, die man nicht versteht. Und dann gibt es als Gastgeschenke oft Blumensträuße, die in einer kleinen Zeremonie übergeben werden und Süßigkeiten – dabei habe ich hier doch noch gar nichts geleistet!

Auch bei einer Tanzveranstaltung der sogenannten Tribal-People hatte ich diese Rolle, bis uns jemand bei der Hand genommen und mich kurzerhand in die Reihe eingeschoben hat. Zwischen zum Takt der Trommeln tanzenden Frauen mit schönen rotweißen Saris, die mir gerade bis zur Brust gereicht haben, kam ich mir im Ersten Moment echt komisch vor aber Hey!: Breites Grinsen aufs Gesicht und mehr schlecht als recht die Fußschritte imitieren und schon werden die Fotoapparate gezückt: Der Deutsche tanzt bei den Tribal-People mit!

 

Sehr schoen rechts im Bild: Wasser der Coca-Cola-Company

 

Es war zwar im erstem Moment ein wenig aufgezwungen, aber dann echt toll und ich hoffe, dass uns die netten Frauen doch in einer positiven Erinnerung behalten. Hier habe ich mich so richtig als würdiger „Vertreter der deutschen Zivilgesellschaft“ gefühlt! (VIA-Leitfaden)

Das mit den Tribal-People klingt von Fern sehr befremdlich, aber allmählich bekomme ich eine Ahnung wie das gemeint ist. Während die Straßen als Lebensadern der westlichen Kultur und scheinbar auch des Wohlstandes fungieren, wird es anders, sobald man mit dem Fahrrad in die andere Richtung fährt. Immer waldmäßiger wird es dann, es sind immer weniger Autos und Jeans zu sehen, mehr traditionelle Wickelröcke und auch die Häuser verändern sich.

Das nennt man hier die „Rural Area“, die Gegend in der die Alphabetisierungsrate am niedrigstens, die gesundheitliche Versorgung am schlechtesten und die Straßen am löchrigsten sind. Die Unterhaltung mit den Leuten beschänkt sich leider auf „Ami bangla buste batsche na“ – ich verstehe kein Bengalisch, die Info, dass ich in der Gandhi-Mission wohne und arbeite und meinen Bengali-Wortschatz (hauptsächlich Essen-Wörter)

Von den Mitarbeitern wissen wir aber, dass dort auch eine andere Kultur herrscht, teilweise eine eigene Sprache, und in einigen Dörfern die Stammesgesellschaft die Gesetzte macht sowie Exorzismus und Ähnliches betreibt. Ein Councellor des HIV-Office meinte einmal, dass es 3 verschiedene Kulturkreise gebe: Muslime, Hindus und die Tribal People

Wie sich das rauskristallisiert, steht die Gandhi-Mission genau deshalb hier – an der Schnittstelle zwischen Straße und Rural Area um den Menschen dort Hilfestellungen zu geben. Oft sind sie sehr arm und haben sonst keinen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung. Ich fände es sehr schön mehr mit den Leuten sprechen zu können aber leider wird das noch sehr viele Stunden mit dem „Teach-Yourself Bengali“ Buch brauchen.

Es ist sowieso bemerkenswert wie sich das Leben hier auf dem Lande doch von dem Leben in der Stadt, wo viele unserer Mitfreiwilligen leben, unterscheidet. Dass es hier leiser und grüner ist – klare Sache. Für die nächste Pizza müsste ich allerdings Stunden im Bus sitzen, für die Disko wahrscheinlich noch mehr und eine Kletterhalle? Vielleicht in Kolkata aber ich würde nix drauf wetten. Ob das gut oder schlecht ist muss Jeder selbst beurteilen, aber ganz sicher ist: Stadt und Land sind wenigstens hier in der Gegend ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Ja, auch ich muss allmählich zugeben, dass es manchmal empfindlich kalt wird und ich inzwischen mit geschlossenem Fenster und einem warmen T-Shirt zu der Leintuch-Decke schlafe. Die Häuser sind halt aus Backsteinen und Stahl gebaut, da ist weder Heizung noch Isolierung dabei, weshalb die Kälte vor allem am Morgen ins Zimmer kriecht. Dementsprechend eklig ist es sich dann mit dem kalten Wasser zu waschen wobei ich gerade dabei bin einen improvisierten Solarkollektor aus schwarzer Folie und Styropor zu bauen um warmes Waschwasser zu haben.

Sugo Dipubali! Fröhliches Diwali! So begrüßt man sich am Lichterfest am 13.November gegenseitig. Hier wurde jedes Haus mit LED-Ketten behängt (Abisolierte Kabel einfach in die Steckdose und die Ketten mit durch die Stränge gesteckten Sicherheitsnadeln befestigen (das nimmt der TÜV niemals ab))

 

Die gesamte Gandhi Mission hell erleuchtet

 

Außerdem brennen überall viele Kerzen und schon von Weitem hört man die Böller. Sukumar, Laskmi und haben uns dann mitgenommen um die verschiedenen Pandals anzuschauen. Natürlich darf auch Feuerwerk nicht fehlen also schnell 100Rupies (1,50€) zusammengekratzt und mit Pyrotechnik versorgt – und die hat es richtig in sich! Wunderkerzen brennen hell wie Magnesiumfackeln und die Böller die wir hatten waren zwar nur so groß wie Walnüsse, sind aber bis obenhin voll mit Schwarzpulver und übertreffen jeden deutschen Böller um viele Dezibel. Die Zündschnur? 1-2 Sekunden ist das höchste der Gefühle und allmählich weiß ich warum die berüchtigten Bengalischen Feuer so heißen. Die sind irre mit ihrem Feuerwerk! Es gibt faustgroße Amateurgranaten zu kaufen, mit denen man Löcher in Wände sprengen könnte. Auch aus 30 Metern Entfernung und den Fingern fest in die Ohren gestopft hat mir die Druckwelle fast die Lunge. Viele wissen ja wie ich zu Feuerwerk stehe aber Hey! Ich will in einem Stück zurückkommen.

Der Kali-Tempel um die Ecke – praechtig geschmueckt

 

Gleichzeitig ist auch Kalipudja. Kali ist Muttergöttin und Göttin der Zerstörung die mit einer Kette aus Menschenschädeln, einem Schwert und einer gespaltenen Zunge auf ihrem Opfer tanzt (nackt). Die Zerstörung ist auch Programm denn in vielen Tempeln werden Ziegen geköpft und geopfert. Obwohl erst um Mitternacht 60 Ziegen geopfert werden, haben wir auch schon am frühen Abend eine Zeremonie miterlebt. Die Kopf wird in einem Gestell fixiert dann mit einem einzigen Hieb abgetrennt. Während das Blut im Boden versickerte und der nun kopflose Ziegenkörper weiterzappelte wurde mir klar, dass ich schon viele Würsten und Steaks gegessen habe aber noch nie zuvor bei der Tötung eines Tieres mit dabei war.

Nun sitze ich aber wieder hier im Guesthouse, da die Leute allmählich betrunken werden und das macht es mir leider unmöglich das Fest selber mitzuerleben da sofort junge Männer auftauchen, mich zum Tanzen oder Trinken überreden wollen und auch das zwanzigste „Nein“ nicht annehmen möchten. Mittrinken und mitfeiern? Leider keine Option da Alkohol gesellschaftlich verpönt ist und es Ärger mit der Organisation geben würde. Außerdem stellt euch mal vor was mit einem Inder auf jedem X-beliebigen Dorffest passieren würde: Irgendjemand würde ihn früher oder später abfüllen.

Alkohol versaut nicht nur uns einige Möglichkeiten, man darf nicht vergessen, dass die Arbeitslosigkeit sehr hoch, das Geld knapp und HIV an jeder Ecke zu finden ist. Da hängt das Alkoholproblem auch stark mit der finanziellen Armut in der Gegend zusammen. In meiner bisherigen Vorstellung war die Armut wie ich sie mir in Ländern wie Indien vorgestellt hätte anders. Jeder kennt die Bilder aus dem Fernsehen oder der Zeitung oder sonstwoher. Kinder mit Wasserbauch oder Riesenschlangen vor der UNICEF-Essensausgabe. Das war bisher mein Bild von Armut. Anna war bei einem HIV-Councelling für eine Mutter dabei. Eltern und zwei Kinder haben kein regelmäßiges Einkommen, aber wenns gut geht, haben die Eltern bald einen Job der 30€ im Monat bringt. Das sind dann die Menschen die als absolut arm (weniger als 1USD am Tag) in meinem Gemeinschaftskundebuch aufgelistet sind (ein Kilo Kartoffeln gibts für etwa 30 Cent) Am Besten könnte ich meinen Eindruck so beschreiben: Diese Menschen sind ganz normal wie du und ich mit Problemen und Freuden, sie haben Träume und Ideen, eine ihrer Eigenschaften ist halt, dass sie wenig Geld haben. In der Vergangenheit konnte ich das nie so wahrnehmen, denn wenn es um Menschen in armen Ländern ging, wurden sie in meiner Wahrnehmung immer über die Armut definiert.

Hier möchte ich keine „Arm aber glücklich“-Klitschees heraus kramen und ich präsentiere hier Niemandem eine abgeschlossene Erfahrung über die ich schon ausreichend nachdenken konnte oder die ich bewerten könnte. Es ist lediglich eine Facette dessen was mich täglich umgibt und was mich umtreibt.

 

Einen Tag später war dann Kitchuri essen angesagt. Seit Tagen schon sammeln die Vereine kleine Summen von 5-20 Rupies auf den Straßen und davon werden dann Gigantische Mengen an Reis, Linsen und Gemüse gekauft. Das Ganze wird dann zusammengekocht und auf dem Platz vor der Polizei findet dann die Massenspeisung statt. Viele tausend Menschen bekommen Fuhren von je 150 Leuten von Freiwilligen eine große Portion Kitchuri, Gemüse, Wasser und eine süße Soße aus Tomaten, Rosinen und Datteln (hatte ich schon mal erwähnt, dass das Essen hier himmlisch ist?!). Wer kann spendet freiwillig einen kleinen Betrag und so können auch die aermeren Menschen kraeftig zulangen.

 

Der Platz vor der Polizei wird zum Restaurant

 

Anfangs habe ich einmal geschrieben, dass das Kastensystem nicht wichtig zu sein scheint. Durchschaut habe ich das Ganze auch jetzt noch nicht aber allmählich merke ich, dass viele der wohlhabenden Menschen die Baumwollschnur um den Leib tragen. Sie ist das Zeichen der obersten, der Priesterkaste. Bei den Männern die mit dürrem, von der Sonne verbrannten nackten Oberkörper durch die gegen laufen oder eine Rischka ziehen habe ich das hingegen noch niemals gesehen. Unter der Oberfläche scheint es also doch eine enorme Bedeutung zu haben.

Heute ist Bhaiphota, der Bruder-Schwester-Tag. Schwestern segnen ihre Brüder, geben ihnen Süßigkeiten und die Schwestern bekommen Geschenke von den Brüdern. Auch ich habe von meinen Ersatzschwestern (Anna und zwei Mitarbeiterinnen) ein rotes Band um den Bauch und eine Kette um den Hals gebunden bekommen, wurde dann mit einem Farbpunkt auf der Stirn gezeichnet und gesegnet. Es heißt, dass Schwestern und Brüder immer aufeinander aufpassen und füreinander da sein werden.

 

Danach gab es wunderbar fettiges frittiertes Brot und Süßigkeiten. Als Geschenk habe ich einige Origamitiere vorbereitet. Es war eine richtig tolle Erfahrung, weil ich das Gefühl hatte wirklich Teil einer Familie zu sein, die Familie der Gandhi Mission. Es wird gemeinsam gegessen gemeinsam gelacht, Alle kümmern sich um die Kleine, wenn sie mal hingefallen ist und irgendwie sind Anna und Ich auch die Kinder, denn Selbstständigkeit ist in einer Umgebung in der man die Sprache, die Gebräuche und die Hierarchien nicht kennt nochmal ein großes Stück schwieriger.

 

PS: Da ich Frisurmäßig schon Ähnlichkeiten mit dem (hier sehr beliebten) Justin Biber bekam, ging es am Sonntag mit Lakshmi zum Frisör und naja: In Deutschland gibt es den 11€, hier den 11 Rupies-Frisör (1€ = 67 Rupies), der seine Arbeit wie ich finde sehr gut gemacht hat.

PPS: Endlich habe ich ein Internetcafe gefunden mit dem ich schnell genug fuer das Blog-Hochladen bin. Sorry fuer die Verspaetung

Achja und noch ein Bild des Frosches (Kroete?), des jede Nacht wieder im Zimmer war (seit Neuestem ist er verschwunden)

Immernoch warm

Tja auch bei uns wird es allmählich kälter. Richtig winterlich. Zwar gab es noch keinen Wintereinbruch und auch der Schnee wird bei minimalen 15 Grad im Januar ausbleiben aber viele Leute hier laufen schon mit Kopftüchern, Jacken und Schals rum, vor allem in der Nacht.

Die Temperatur erinnert mich mit aber doch eher an eine laue Sommernacht und dann würde ich manchmal gerne einen Grill anwerfen, ein paar Freunde und einen Kasten Bier herbeamen, die schöne Nacht unter dem sternenklaren Himmel (Lichtverschmutzung? Hier nicht!) mit ihnen genießen.

Heimweh wäre wirklich zu viel gesagt aber vor Allem wenn die Mails von zu Hause reinkommen oder das Internet schnell genug für Skype ist, fühle ich die Distanz doch ganz anders als normalerweise, wenn mich der Alltag im Griff hat.

Hier in West Bengalen ist gerade Festivalsaison das heißt dass der Reihe nach verschiedene Festivals gefeiert werden. Während dem schon beschriebenen Durgapudja waren wir mit unserem Seniorchef und seiner Frau Soumitri in Kolkata. Eine gigantische Stadt! Und so viele Menschen! Leider kenne ich keinen Punkt wie etwa einen Fernsehturm von dem aus man das gesamte Ausmaß erkennen könnte. So bleibt man dann tief unten im Labyrinth aus tausenden Straßenzügen und Hinterhöfen die wegen fehlender Planung oft sehr wirr gebaut wirken. Einen groben Eindruck konnte man dann doch vom Dach des Hauses aus gewinnen. Wegen des Smogs ist die Sicht aber sowieso schwierig. Die Abgase tausender Autos, Busse, Auto-Rikshas und Lastwägen hängen in der Luft, drücken in Augen und Lunge und machen Kontaktlinsentragen unmöglich.

Ein Pandal im Vogelhaus-look daheim in Daspur

Bemerkenswerterweise wirkte die Stadt für mich insgesamt doch recht ähnlich zueuropäischen Großstädten (viele Autos, große Häuser, viele Menschen, riesige Werbeplakate die mir einen Handyvertrag aufschwätzen wollen). Erst dort habe ich wirklich realisiert, wie sehr sich das „Landleben“ in der Gandhi Mission doch von zuHause unterscheidet.

Leider konnten wir einige Dinge (Mückencrem, den Lonely Planet) nicht kaufen weil viele Läden während des Festivals geschlossen waren. Dafür konnten wir viele wirklich schöne Pandals sehen. Einige sind eher wie ein Schloss gebaut in dem die Idols (Statuen von Durga, die den bösen Büffeldämon tötet und ihren vier Kindern) stehen. Die besonders Schönen haben aber ein bestimmtes Thema oder einen Stil in dem das Ganze dann gestaltet wird, etwa Feuer oder Meer. Es ist sehr schwer zu erklären aber hoffentlich helfen euch die Fotos weiter.

Und das alles mit Bambus, Stoff und Muskelkraft – für 4 Tage

Kolkata von unserem Hausdach aus

Am Ende des Festivals feiert die Gemeinde die „Immersion“, bei der die Idols aus bemaltem Lehm dann abgebaut, entweiht und zu einem Fluss oder See gebracht werden, wo sie dann versenkt und aufgelöst werden. Einige Frauen und Kinder schnappen sich dann rote Farbe und bemalen die Leute damit (sonst ist Rot für verheiratete Frauen reserviert) Hier in Daspur war das ein echtes Erlebnis, bei dem wir leider früh gehen mussten, weil der Fremden(weiße Haut)status leider ständig wie ein Scheinwerfer auf einem liegt. Ständig wollten andere junge Männer, dass ich mittanze oder auch ein Glas dieses Gebräus mit irgendeinem komischen Blatt trinke, dass eine Art Trunkenheit, ähnlich wie Alkohol auslöst. Da viele schon einige Becher davon Intus hatten, war ich ständig mit abwimmeln (halb Englisch, halb Bengali, halb Hände und Füße) beschäftigt und leider mussten wir dann schon verfrüht den Heimweg antreten.

 

Bei einem Blick auf den Kalender habe ich letzte Woche bemerkt, dass bald Halloween ist. Schnell war ein Kürbis gekauft und mit an Stöckchen gebundenen Rasierklingen in verschiedenen Formen und Biegungen (Steinzeit juchee!) als Werkzeug habe ich es dann geschafft ein kleinwenig westliche Kultur die nicht aus Cornflakes und Cola besteht einzubringen.

Anna und ich standen dann abends in der Küche und nach ein wenig Zeit und Improvisation (Sieb und Löffel als Mixerersatz) war die Kürbissuppe servierbereit. Fazit: „very tasty!“

 

Inzwischen habe ich viele neue Ideen für meine berufliche Zukunft nach dem Freiwilligenjahr. Beispielsweise könnte ich mich in die Zuckerbäckerkaste einheiraten und den ganzen Tag Süßigkeiten futtern. Oder ich vermittle indische Fahrer an die Rettungsdienste oder an die Formel 1. Auch als Kammerjäger komme ich allmählich ins Training, was vor allem an den Moskitos liegt die es zu erlegen gilt bevor sie mich aussaugen. Außerdem jage ich momentan jeden Abend den Frosch in meinem Zimmer, packe ihn in den Eimer, setzte ihn aus und am nächsten Tag… schau mal wer da auf dem Boden rumhüpft. Dabei habe ich keine Ahnung wie das Vieh immer wieder auch bei geschlossener Tür in den 1. Stock kommt.

Das wars jetzt schon mit meiner kurzen Meldung. Natürlich freue ich mich auch sehr über Rückmeldungen oder Mails, auch wenn es Fragen an die Leute hier gibt, werde ich versuchen das weiterzuvermitteln (ist Curry ein Gewürz oder ein Gericht? Was bedeutet der rote Punkt auf der Stirn?). Achja und falls mir jemand etwas schicken möchte… die Internetverbindung (selten über 100kb pro Sekunde)

 

Viele Grüße an euch fleißige Leser! Erfriert mir nicht bis ich wiederkomme!

Der böse Kürbisgeist vom GuestHouse

Avishek und ich, Opfer einer Farbattacke

Kartoffelnschneiden mit dem Boti

 


Du hängst an Stricken, ich steh auf Beinen,
ich bin aus Fleisch, du bist aus Leinen,
du wünscht dir nichts, ich, dass ich in dir wär …

Oh Hängematte, wir unterscheiden uns sehr.

Doch eines verbindet heute dich und mich,
du hängst genauso durch wie ich.

-Marc-Uwe Kling

Ein Pandal in Kolkata – stark besucht und teuer – der Tempel besteht aus Messinggegenständen

Natürlich soll auch der Fremde eine Kerze des heiligen Leuchters entzünden

Mein Freund der Psycho-Hase


Das Feuer und der Drachenkopf – fast der schönste Pandal

Ein geistiger Spagat

Wenn man einen Reiseführer über irgendein Land südlich von Deutschland liest, heißt es dort: Niemals in Süßwasser schwimmen, auch wenn es noch so einladend aussieht! Am Besten nur im Hotelpool baden.

Schade eigentlich, denn ich habe hier einen wunderschönen See direkt vor meinem Fenster. Keinen von denen, die eher Tümpeln ähneln und die es hier auch viele gibt, sondern einen richtig schönen großen See, 120m lang und 60m breit, mit einem romantischen Gänsepärchen und, jeder Menge Fischen und Fröschen, die einem nachts mit dem lauten Gequake den Schlaf rauben. Irgendjemand hat am Ufer einen kleinen Pavillion mit Bänken gebaut und auch gleich zwei Tretboote auf den See gesetzt, die je einem Ameisenstaat und bis zu 4 Personen Platz bieten.

Nachdem auch die anderen Arbeiter hier im See schwimmen, haben wir es mal ausprobiert und Hey! Ich lebe noch, nichts ist mir irgendwo reingekrabbelt und das Wasser ist wunderbar warm und tief.Seitdem gehe ich wenn möglich jeden Morgen eine Runde schwimmen. Himmlisch!

Vielleicht hilft mir das auch nicht den Bauch anzusetzen, den man bei sehr vielen Männern mit einem gewissen Wohlstand sehen kann. Als Deutsche werden wir zwar von jedem zweiten neuen Freund mit „Shweinshteiger!“begrüßt ( ich muss dringend die aktuelle Aufstellung der Fußball-Nationalmannschaft lernen! ), Sport treiben scheint aber eher unpopulär zu sein.

Immer wenn mir etwas Neues vorgesetzt wird und ich dann gefragt werde „tasty?“ ist die einzig richtige Antwort „very tasty!“. Nicht, weil die Leute das erwarten, sondern weil Alles absolut großartig schmeckt! Im der Kantine essen wir meistens im Abstand von etwa 1-2 Wochen die selbe Beilage zum Reis, im Dorf oder in der nächsten Stadt gibt es aber auch sehr viele frittierte Gemüsetaschen und unendlich viele unterschiedliche Zuckergebäcke. Man kann ja sagen was man möchte kein Mensch auf diesem Planeten würde die indische Küche wie ich sie bisher kennengelernt haben nicht lecker finden. Neulich waren wir bei einer Hauseinweihung eingeladen, bei der große Teile der Dorfelite versammelt waren. In dem Moment war es mir dann egal, dass ich nur wegen meines Status als Fremder aus Deutschland mit eingeladen war, denn das Essen war einfach nur der absolute Oberhimmel!

Ein leider nicht ganz so leckeres Thema ist leider momentan die Arbeit. Wie schon erzählt gibt es die Schule hier nicht mehr und es existieren wie es scheint viele verschiedene Pläne, was wir denn hier zu tun haben.

Die Vorschule von der wir dachten, dass wir dort arbeiten ist ja nicht mehr da und deswegen muss ich mir jetzt notgedrungen meine Arbeitswoche zusammenstückeln und mir sehr viel selbst suchen.

Montags und Freitags sind Operationen, das heißt für mich morgens Gemüse schneiden, Betten beziehen, OP Klamotten und Abdeckungen zusammenlegen und im Druckkocher (ein überdimensionaler Sikomat) desinfizieren, mittags das Essen ins Krankenhaus bringen und verteilen. Danach sitzen Anna und ich vor dem Operationsraum, legen Augenklappen an, verabreichen Medizin, führen die Patienten zu den Betten und erledigen ein paar Kleinkramssachen. Anfangs war das arschlangweilig aber inzwischen traut uns Bandona, die Oberschwester uns zum Glück immer mehr zu.

Wenn nicht OP oder Eyecamp ist, dürfen wir in der Dorfschule 20 Minuten mit den Kindern verbringen, zeigen ihnen (mehr oder minder erfolgreich) kleine Origami-Figuren, üben Rhythmen klatschen oder stampfen oder machen einfach nur Spöks, wobei das eigentlich am schönsten ist. Allmählich verlieren sie nämlich die Scheu vor den großen weißen Fremden (ich bin einer der größeren Männer hier) und haben richtig Spaß wenn wir zu „rise!“, „clap!“, „stamp!“ und „turn around!“ die passenden Bewegungen machen und wir am Ende alle orientierungslos durch das Klassenzimmer torkeln weil das „im Kreis drehen“ so oft kam.

Die Schule hat 30-45 Schüler in 3 Klassen und jeden Morgen müssen die Kleinen in Reih und Glied stehen und mit gefalteten Händen, geschlossenen Augen die Nationalhymne singen und danach geloben sie im Alle, dass sie immer fleißig sein werden und ordentlich lernen.

Für mich echt unangenehm, vor allem wenn sie dann im Gleichschritt an uns vorbei in das Klassenzimmer marschieren aber das Chaos und das Geschrei dass dann gleich darauf herrscht macht mich dann doch wieder glücklich!

Das Lautsein scheint den Leuten hier in gewisser Weise sowieso im Blut zu liegen. Wenn sie mit uns reden, bleibt die Stimme normalerweise „normal“, aber sobald untereinander gesprochen wird habe ich oft das Gefühl, dass gleich irgendjemand stirbt. Da steigt die Lautstärke auf das, was bei uns als „sehr sehr deutlich werden“ bezeichnen würde obwohl es wahrscheinlich nur ums Wetter geht. Ich hätte da keine Chance, vor Allem weil mir ja schon in Deutschland oft nachgesagt wurde, dass ich leise spreche. Gestern wurde ich dann doch mal von der großen Krankenschwester angeschrien, aber ich sehe das nach anfänglicher Verwirrung als Zeichen der Zugehörigkeit anstatt mich drüber aufzuregen.

Das mit dem Dazugehören läuft gerade sowieso super! Da die meisten der Arbeiter in der Ghandi Mission (durchschnittlich 6-12 Leute) zwischen 19 und 27 sind und die größte Zeit auch auf dem Gelände wohnen, haben wir da trotz der Sprachbarriere schon „Familienanschluss“, da sich jeder um den anderen kümmert und wir oft vor und nach dem essen noch zusammenhocken ( eine Inderin „Karrtofel“ sagen zu hören ist himmlisch!). Außerdem sind wir schon für die zweijährige Rhai , die Tochter einer Mitarbeiterin zu Onkel und Tante erklärt worden (sie liebt uns!). Hier lerne ich ein Kleinkind zu halten, es zu unterhalten und was zu tun ist wenn sie schreit. Am Ende wächst sie noch dreisprachig auf, Bengali, Englisch und Deutsch.

Am Sonntag beginnt Durga Pudja, das hier ganz ganz groß gefeiert wird. Worum es genau geht, weiß ich noch nicht, aber es gibt mehrere Pudjas. Die letzten 4 Tage ging es z.B. um den Schlangengott und da Giftschlangen ein wirklich ernstes Problem darstellen, wurde ihm in der Umgebung lautstark mit Böllern, die sich selbst aus großer Entfernung eher nach Granateneinschlägen als nach irgendwas legal verkäuflichem klingen, gehuldigt. ( keine Angst, die Dinger fass ich nicht an )

Durga Pudja wird jedenfalls zu Ehren von Durga gefeiert und schon seit unserer Ankunft sehen wir an vielen Plätzen wie Tempel aus Bambus gebaut, aufwendig mit Stoff verkleidet und geschmückt werden. Viele Vereine oder Organisationen haben ihren eigenen Tempel und so versucht sich jeder an Farbenpracht und Glanz zu übertreffen was aber angesichts des Riesenaufwands schwer ist.

Während des Festivals nimmt uns die Cheffamilie mit nach Kolkata wo die Tempel noch größer und die Party noch gigantischer ist. Ich freu mich schon riesig drauf die Hauptstadt von West Bengalen mit über 14 Millionen Einwohnern kennenzulernen!

Auch danach gibt es dank der großen Menge an hinduistischer Götter noch Pudjas, Kali Pudja zum Beispiel bei dem eine große Menge Schwarzpulver zu Ehren von Kali, Muttergöttin und Göttin der Zerstörung zugleich, verböllert wird. Ich freu mich ja so drauf!

Was im Grunde klar war, worüber ich aber nie nachgedacht hatte, ich die einfache Tatsache, dass ich hier zu einem großen Teil über meine Nationalität wahrgenommen werde. Die Frage, woher man kommt wird meist noch vor dem Namen gefragt. Vor Allem die Fußball-Nationalmannschaft ist hier sehr Vielen ein Begriff und es ist mir fast schon peinlich, dass ich weniger Ahnung davon habe als meine Gegenüber.

Natürlich möchten viele wissen, wie es denn in meiner Heimat ist und dann fange ich an zu erzählen. Von meiner Familie, vom Rechtsverkehr und den Jahreszeiten. Auch hier merkt man, dass so etwas wie Herbst Einzug hält aber Temperaturen von -15 Grad und Schnee im Winter sind für Inder nur schwer vorstellbar. Und dann denke ich daran wie sich die Blätter im Schönbuch bunt färben, ich mit meiner Familie Pilze sammeln gehe und Kinder die Drachen im Herbstwind steigen lassen. Vielleicht muss man davon erzählen um die schönen Seiten wirklich zu sehen.

Die Vorwarnung, dass Hitler in Indien extrem populär sei, hat sich nur teilweise bestätigt. Einige Leute wissen zwar, dass er ein „strong man“ war und „king of the world“ und hören den Erklärungen, wie viele millionen Menschen die Nationalsozialisten getötet haben mit halben Ohr zu, ob das nun aber einfach Unwissenheit oder echte Begeisterung ist kann ich noch nicht beurteilen. Vielleicht biete ich mal irgendwann eine kurze Einführung in diesen Teil der deutschen Geschichte an. Für irgendwas muss ich doch mal den Powerpoint auf dem Laptop brauchen können zudem ich es extrem deutsch finde Informationen mit Beamer und ganz vielen nervigen Effekten an die Wand zu werfen.

Als wir mit unserem jüngeren Chef unterwegs waren und er uns dann seine Musiksammlung vorgeführt hat, war es für mich ein sehr irrealer Moment. Hier fahre ich auf einer Straße mit mehr Schlaglöchern als der Mond, vorbei an Holzhütten und Kühen, an Tempeln, Teeständen, Rikschas und im Radio läuft der selbe Song den ich das letzte Mal auf der Abifahrt aus den Kehlen hunderter Vollbetrunkener Abiturienten gehört habe. Es gleicht einem geistigen Spagat zwischen den verschiedensten Welten. Bei einem Spaziergang durch die Umgebung hat man oft wirklich das Gefühl im Urwald zu stehen. Es gibt Schlangen, handgroße Spinnen und tonnenweise Moskitos.Wenn ich aber dann zu Hause den Fernseher einschalte, kämpft sich Bear Grylls durch die Sahara, bei Scrubs operieren die Anfänger, Shaun das Schaf macht Unsinn und zwischendurch erzählt mir die Werbung dass ich sofort glücklich werde wenn ich Axe Deo benutze dass Maggi Instantsuppe gut für mein Kind ist und die großen Slipeinlagen-Hersteller scheinen gerade eine gigantische Werbekampagne in Indien zu fahren.

Insgesamt erinnert mich die gesamte Kulisse in der Glotze an so manchen Nachmittag an dem ich nutzlos auf dem Sofa vergammelt bin, zusammen mit einem Glas Cola und einer Aufbackpizza, darauf hoffend dass ich in Indien hoffentlich nützlicher sein kann.

Wenn ihr mich fragt, was das wahre Indien ist, würde ich ganz interkulturell bewusst sagen, dass ein Land natürlich für jeden anders ist und es außerdem auf die Region ankommt und und und

Wenn ihr mich aber fragt, was das Erlebnis Indien für mich im Moment ist, wüsste ich die Antwort genausowenig. Im Radio findet ihr sie vielleicht. Irgendwo zwischen Justin Biber und Hindi-Heavy-Metal, zwischen Smartphone und Fahrradrischkas, zwischen Scrubs und Bollywood, Reis und Corflakes, da findet ihr sie vielleicht.

Neues aus meinem Leben

Wo soll ich bloß anfangen? Wenn man nicht täglich Alles aufschreibt, kommen die Erinnerungen schnell ins trudeln und die Dinge vermischen sich.

Achja: Ersteinmal Dankeschön für die netten Grüße! Viele haben den Blog gelesen, viele fanden ihn gut und deshalb werde ich mir Mühe geben auch weiterhin nachzuliefern. Darüberhinaus ist es auch eine kleine Stütze um das Ganze zu verarbeiten.

Am Samstag habe ich mit der Arbeit angefangen. Das läuft nämlich so: Die Gandhi-Mission operiert zwei mal die Woche Menschen, die am Grauen Star erkrankt sind, bei denen also die Linse im Auge trübe wird. Das Ganze ist „free of cost“, also gratis. Außerdem gibt es eine Truppe bestehend aus Augenarzt, Fahrer, Internisten und mir bisher noch nicht erschließbar Qualifizierten, die im Umkreis von etwa 2 Fahrstunden Untersuchungscamps anbieten, bei denen dann etwa 50-80 Personen pro Tag Untersuchungen bekommen, also Sehtest, Augendruck, Blutdruck und eventuell auch Blutzucker.

Die bei denen der Star bemerkt wird, bekommen dann das Angebot, sich gratis bei uns operieren zu lassen. Die Anderen bekommen Brillen oder Medikamente. Heute ist Dienstag und ich bin damit schon bei 3 solchen Camps dabei gewesen.

Gott weiß warum, aber es hat diesen Mann sehr glücklich gemacht, mit mir fotografiert zu werden. Das im Hintergrund ist eine Ölpresse in Aktion

 

Es hört sich megainteressant an, leider ist für mich als Sprachfremden und Unqualifizierten noch keine wirkliche Arbeit rausgesprungen. Das ist wahrscheinlich der klare Nachteil, wenn man als erster Freiwilligentrupp da ist. Es gibt noch keine wirkliche Struktur, man weiß noch nicht wirklich was man mit zwei unqualifizierten Deutschen anfangen soll. Gleichzeitig ist das der Vorteil, da wir vermutlich recht frei in der Arbeitswahl sind und die Chefs offen für neue Ideen. Durch das viele Fahren gewöhne ich mich allmählich an den indischen Verkehr: Hey!, ich verfalle nicht mehr bei jedem zentimeterknappen Überholmanöver in die Embryonalstellung und muss mich dann zuhause nicht mehr stundenlang weinend auf dem Boden der laufenden Dusche selbst umarmen. Das ist der Vorteil. Der Nachteil ist die steigende Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr draufzugehen.

Anna ist derweilen damit beschäftigt abwechselnd in der Augenklinik mitzuhelfen und die Schule kennenzulernen. Warum die Arbeitsteilung genau so läuft, wissen wir nicht, sind uns aber einig, dass es erstmal gut ist und ein Jahr genug Zeit ist um abzuwarten wo denn ein lohnendes Arbeitsfeld liegt. Wo wir schon bei Schule sind: Auf dem Weg von Kolkata hierher, habe ich den Müll gesehen der am Rande der Straße lag und prompt die Idee gehabt, mit den Kindern in der Schule aus den PET-Flaschen, die wir dann gesammelt hätten ein Müllboot zu bauen, und dann auf dem See zu Wasser zu lassen. Ziemlich geile Sache, oder? Dieser Plan ist aber ins Wasser gefallen. So ne Scheiße! Nein ziemlich geile Sache! Es gibt hier nämlich gar nicht so viel Müll, vor Allem keine PET-Flaschen. Das ist echt cool, denn das Wasser holt man in solchen Plastikkannen vom Brunnen/Wasserfilter und trinkt dann auf Indien-Art: Man lässt das Wasser in hohem Bogen in den Mund laufen. Hygenisch und es entsteht sehr viel weniger Müll als wenn die Flaschen einzeln gekauft würden.

Anna, das Internet hat sich aufgehängt!

An die Kleiderordnung gewöhne ich mich allmählich auch. In den zwei Wochen hier habe ich länger Hemd getragen als in meinem kompletten Leben davor. Einige Dorfbewohner weiter weg von der Straße tragen auch eher mal T-Shirt oder einen Lunki (Wickelrock). Die Regeln scheint das aber nicht zu sein, normal ist ein kurzärmliges Hemd und eine lange Hose, gerne auch eine Jeans. Witzigerweise trage ich hier das was vor nicht allzulanger Zeit mein Abiball-Outfit war als Arbeitskleidung. Und das bei 35 Grad im Schatten. Das mit der Temperatur ist sowieso ein zweischneidiges Schwert. Ab und zu, vor Allem um die Mittagszeit läuft einem der Schweiß wirklich in Strömen (Topftropftropf). Spätestens das ist der Moment in dem man die Kleiderordnung verflucht da die Luftfeuchtigkeit durch den Sumpf sowieso bei 120% liegt (Salz lässt sich nie streuen, es verklumpt nach kurzer Zeit). Auch Goroub, unser Chef beklagt sich regelmäßig, dass es hier zu warm sei, doch ich finde es meistens angenehm und genieße es. Warum die Inder dann allerdings auch noch warme Klamotten tragen, scharfes und heißes Essen machen und heißen Tee trinken bleibt mir bisher ein großes Rätsel.

Der Vorteil ist ganz klar: MIR IST NIEMALS KALT!!! Morgens stehe ich auf, dusche mit wunderbar ungeheiztem Wasser, mittags kann sich wer will in den Schatten zurückziehen und abends geht die Sonne zwar um 6 unter, man kann aber die ganze Nacht entspannt draußen rumsitzen. Im Winter wird die Temperatur auf 15°, wenns ganz kalt kommt auch mal auf 10° runterkühlen. Danach kommt der Frühling, der etwa so wie jetzt ist und dann der Sommer mit etwa 45° Ab Juni beginnt dann die Regenzeit, in der es kühler wird und die vor Allem hier im Gangesdelta für Überschwemmungen sorgt.

Flaches Land bis zum Horizont und überall Reis!

Bisher habe ich wenig über die Lebensumstände der Menschen in der Umgebung berichtet. Das möchte ich hiermit nachholen, allerdings verzichte ich ersteinmal auf Bilder, da das ganz schnell einen falschen Eindruck transportieren kann.

Die „Lebensadern“ hier sind eindeutig die Straßen. Siedlungen schmiegen sich regelrecht an sie, da mit ihnen Güter, Reisende und Kunden kommen. Durch sie werden die Läden beliefert und z.B. die Ernte nach Kolkata verkauft. Je weiter an der Straße, desto mehr Werbung, und Verkaufsstände, aber auch mehr Abgase und roter Staub, der in den Augen beißt. Je weiter man dann abseits geht, desto weniger Beton wurde beim Bau der Häuser verwendet, es gibt mehr eingeschossige Häuser, die aus zusammengebundenem Bambus gebaut und mit Halmbündeln gedeckt sind. Außerdem vergrößert sich die Anzahl der Schlaglöcher und mehr Fahrradfahrer auf oft angerosteten Eingangrädern kommen entgegen. Außerdem gibt es mehr Reisfelder und Tümpel. Die Augenklinik liegt etwa 10 Fußminuten von Daspur entfernt, dahinter beginnt die Gegend, die von den Angestellten manchmal „Rural Area“ genannt wird. Die freien Flächen sind hier allesamt mit Reis und vereinzelt Gemüse bepflanzt, zwischendrin sind Waldstücke, die von einigen Bäumen bis zu mehreren Hektar reichen. Diese sind aber keineswegs unbewohnt, nein hier läuft das wirkliche Leben ab. Häuser, einige aus Bambus, einige aus Ziegelsteinen sind oft fast unsichtbar in den Wald gebaut. Dazwischen führt ein Wegnetz auf für uns undurchschaubaren Pfaden durch die Siedlung. Manchmal wartet am Ende ein weiteres Haus, manchmal aber auch ein Reisfeld oder eine größere Straße.

Leider können wir nicht richtig mit den Menschen dort reden, da wir kein Bengali und sie kein Englisch verstehen. Oft reicht es aber für „Ghandi Mission“, „German“ und „Auf Wiedersehen“. Es scheint trivial, aber es für mich persönlich mutet es auf eine gewisse Weise irreal an. Auf der einen Seite gibt es hier eine extrem gute Mobilnetzabdeckung und sehr viele tragen Handys, es gibt Cola und Chips zu kaufen, auf der anderen Seite leben einige Menschen in kleinen Häusern im Wald. In diesem Momenten fühlt man sich wirklich in eine andere Welt gebeamt.

Achja: Das Bild wäre nicht komplett ohne den Geruch. Direkt an der Straße sind es die Abgase, später dann der beißende Geruch von feuchtem Holz, das verbrannt wird. Einige Menschen trocknen den Kuhdung um ihn dann als Brennmaterial zu verwenden. Dazu kommt noch der leicht modrige Geruch der vielen Tümpel und Reisfelder. Zum Glück kommt aber von Zeit zu Zeit ein kräftiger Windstoß, der den feuchten Smog wegweht und neue, frische Luft mitbringt.

Wir essen in der Kantine. Inzwischen dürften wir uns das Essen selbst holen, werden nicht mehr ständig gefragt, ob wir nicht doch noch Reis möchten und helfen sogar manchmal beim Gemüseschneiden. Selbst kochen steht aber derweilen noch nicht zur Debatte. Geschnitten wird mit dem „Cesar“, einem scharfen, geschwungenen Messer, das mehr oder minder senkrecht auf einem Holzbrett befestigt ist. Man sitzt dann auf dem Brett und drückt das Schnittgut mit beiden Händen gegen die Klinge. Auf den Teller kommt Reis mit Dhal (Soße) als Hauptteil, dazu verschiedene Gemüse, oft Kartoffeln und manchmal auch ein gekochtes oder gebratenes Ei. Einige Menschen, die in der Klinik operiert werden und von uns auch das Essen serviert bekommen, sind derweilen wirklich extrem dünn. Beim nach der OP in den Bettenraum begleiten nimmt man den Patienten an der Hand oder am Arm. Einige fühlen sich eher wie mit Haut überzogene Knochen an als wie ein normaler Arm und wenn sojemand gestützt werden muss fühlt er sich so leicht wie ein kleines Kind an. Sukumi meinte, das liege nicht hauptsächlich am zuwenig Essen, sondern an der falschen Ernährung. Gemüse ist im Vergleich zu Reis teuer und so nehmen Viele lediglich Kohlenhydrate, wenig Proteine, Fett und Nährstoffe zu sich.

Worüber ich bisher noch gar nicht gesprochen habe, im Grunde aber trotzdem ein recht wichtiger Punkt ist, ist die Hierarchie und vor Allem die Stellung der Frau darin. Unsere Chefs haben Anna und mich von Anfang an gleichberechtigt behandelt. Die anderen Arbeiter oder Jeder auf der Straße spricht zuerst mit mir und dann irgendwann vielleicht auch mit Anna. Das fällt inzwischen weniger auf, da wenigstens die Leute auf dem Gelände auch sie recht gut kennen. In Daspur oder sonstwo ist es aber weiterhin recht krass. Wenn die Frage ist, wer Motorradfahren lernen soll (keine Angst, Mama, da könnte ich hier auch gleich ohne Schirm aus dem Flugzeug hüpfen, Also nein) : Fabian. Wann gehen wir zum Markt: fragen wir mal Fabian. Sobald ich mal irgendwo Augencamp bin und Anna alleine unterwegs ist, findet sie aber auch schneller Anschluss bei den Frauen, da ich nicht mehr als Kommunikationshemmer dabeistehe. Man kann das Ganze aber auch strukturell erkennen. Wir haben zwar mit vielen Frauen zu tun, die hier arbeiten, denen wir auch im Krankenhaus helfen, aber nur Naranbhai’s Frau spricht Englisch. Das liegt daran, dass Mädchen hier oft recht früh aus der Schule genommen werden und somit nicht wirklich eine Chance haben die Sprache zu lernen die ihnen die Kommunikation mit Nicht-Bengalis ermöglicht. Das verbaut natürlich auch die Aussicht auf die besser bezahlten Jobs in denen man Englisch sprechen muss. Anna und ich haben auch schon eine Frauen-Englischgruppe diskutiert, momentan ist das aber noch eindeutig zu früh, da wir uns ja auch nicht in Bengali richtig mit ihnen verständigen können. Fürs Erste.

So. Das wars jetzt mal fürs Erste. Bitte entschuldigt, wenn es nicht immer so viel wird wie etwa in der ersten Woche. Ich habe noch viele Geschchten zu erzählen: vom mit der Hand essen, von Kolkata, der Religion hier, von den vielen Blumen, den Bussen, dem Homöopathie-gegen-Krebs-Doktor und Vielem mehr.

Bis dann also Grüße in die Heimat und vielen Dank an alle Gratulierenden!

 

Sieht zwar sehr klischeehaft aus, Religion spielt aber für Viele hier eine große Rolle im täglichen Leben.

Vollmond, Palmen und eine Kamera